Glücklicher ohne Gott
Wie SPIEGEL Online in einem gleichnamigen Artikel berichtet, wollen derzeit Atheisten und Evolutionsbiologen den Leuten, vor allem in Amerika, ihren Glauben austreiben - Zitat: “Religionen sind das eigentliche Übel unserer Zeit.” Dieser Spruch bringt es auf den Punkt. Religionen spalten die Menschen in Lager und jedes Lager beansprucht für sich, die einzige und wahrhaftige Wahrheit zu besitzen. Dabei geht unter, was alle Menschen weltweit eigentlich verbinden sollte: Vernunft, Ethik, Humanismus, Menschlichkeit.
Der Zoologe Richard Dawkins von der Oxford Universitiy wendet dabei auch schon einmal außergewöhnliche Methoden an. So stellt er sich zum Beispiel vor vollbesetzte Kirchenbänke und sagt: “Der Gott aus dem Alten Testament ist ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, völkermordender, sadomasochistischer, unberechenbar bösartiger Tyrann.” Eine treffende Beschreibung. In seinem Buch “The God Delusion” / “Die Wahnvorstellung von Gott” stellt er dar, warum es “fast sicher” keinen Gott geben kann. Gerne greifen Gläubige Atheisten ja deshalb an, weil sie Atheismus nicht von Nihilismus unterscheiden können. Hingegen schreibt auch Dawkins zutreffenderweise: “Sie können ein Atheist sein, der glücklich, ausgeglichen, sittlich und geistig ausgefüllt ist.”
Sam Harris, Autor des Buches “The End of Faith” / “Das Ende des Glaubens”, vergleicht organisierte Religionen gar mit Vergewaltigungen: Wenn es in seiner Macht läge, die Welt von einem dieser zwei Dinge zu befreien, erklärt Harris, dann “zögerte ich nicht, die Religion abzuschaffen”. Das Fatale an Religionen:
Die mit religiösem Gedankengut infizierten Menschen sind mit rationalen Argumenten kaum mehr zu erreichen und kennen keine Selbstzweifel mehr. “Die Vermessenheit tiefreligiöser Menschen”, urteilt Philosoph Dennett, “ist die gefährlichste Sache in der heutigen Welt.”
Den Präsidenten George W. Bush und den Terrorchef Osama Bin Laden stecken die Atheisten Dennett und Dawkins in eine Schublade: beide auf der Seite des Glaubens und der Gewalt; beide gegen die Seite der Vernunft und des Diskurses.
Das ist jedem Atheisten schon lange klar: Same shit, different color. Jedoch ist Religion nicht die einzige Quelle moralischer Werte. Denn laut Dawkins existiert Altruismus auch im religionsfreien Tierreich, wo Individuen sich gegenseitig und selbstlos helfen. Für den Menschen hat er herausgefunden, dass eine “universelle moralische Grammatik” lange vor den Religionen enstanden sei:
Alle Menschen verfügten über eine “universelle moralische Grammatik, eine Fähigkeit des Geistes, die im Laufe von Millionen Jahren” entstanden sei - durch die Evolution, ganz ohne göttliches Zutun.
Ganz so wie islamische Fundamentalisten verhalten sich dann auch amerikanische “Christen”, wenn sie mit Kritik an ihrem Glauben konfrontiert werden:
Doch wer in den USA gegen solchen Unsinn ankämpft und sich gar als Nichtgläubiger outet, gehört zu einer geächteten Minderheit. Autor Sam Harris erscheint zu öffentlichen Auftritten mit einem Leibwächter. Philosoph Dennett erhält Woche um Woche Briefe von christlichen Mitbürgern, die ihn darin buchstäblich zur Hölle wünschen.
Ein Beleg mehr dafür, dass es kaum einen Unterschied gibt zwischen Islamisten, die Flugzeuge in Wolkenkratzer steuern, und Christen, die Abtreibungskliniken in Brand stecken oder Abtreibungsärzte ermorden. Atheistische Gewerbetreibende seien in den USA gar gezwungen sich religiös zu geben, da sonst die Kundschaft ausbleibe. Die Soziologin Penny Edgell erklärt diesen Umstand wie folgt: “Weite Teile der amerikanischen Öffentlichkeit sehen Atheisten als Bedrohung der amerikanischen Lebensart.” Ganz so, wie islamische Staaten Amerika als Bedrohung ihrer eigenen Lebensart begreifen und daher bekämpfen. Man könnte auch sagen: Religionen produzieren Gewalt.
Same shit, different color.


am 28. Dezember 2006 um 11:41:00 Uhr.
[...] Erst im Oktober zitierte ich den Artikel Glücklicher ohne Gott über Richard Hawkins, der derzeit dabei ist, vor allem in den USA den Leuten ihren religiösen Glauben auszutreiben. Nun ist diese Welle offenbar nach Deutschland geschwappt und ordnet - so glaubt es Arne Hoffmann - das Lager der Atheisten neu. “Religionshasser”, “dogmatisch” und “kreuzzüglerisch” verwendet Hoffmann als Attribute der so genannten Brights-Bewegung, die nun auch in Deutschland Fuß fasst. Ich halte diese Attribute für verfehlt, da es auch in Europa und Deutschland immer noch die Atheisten sind, die mit Nihilisten in einen Sack gesteckt werden und sich zahlreichen Anfeindungen religiös verblendeter Köpfe ausgesetzt sehen. Es kann nicht angehen, dass man sich als Verfechter der Vernunft immer wieder Morallosigkeit vorwerfen lassen muss von Leuten, die ihr Weltbild auf den Lügenmärchen einer Religion aufbauen und für Vernunft in keinster Weise empfänglich sind. [...]