Warum ich Ursula von der Leyen (CDU) für eine miserable Familienministerin halte

Ich halte Ursula von der Leyen (CDU) für eine Fehlbesetzung im Familienministerium. Alleine der Umstand sieben Kinder in die Welt gesetzt zu haben befähigt nämlich erst einmal zu nichts. Aber was kann Frau von der Leyen sonst vorweisen? Schauen wir einmal in ihre Biografie: Sie studierte nach dem Abitur erst Volkswirtschaft, dann Medizin und arbeitete danach als Assistenzärztin in der Frauenheilkunde. Für die CDU engagierte sie sich kurzzeitig in der Kommunalpolitik. Das war’s auch schon.

Alleine durch ihre bisherige politische Arbeit in der Bundesregierung belegt sie Tag für Tag mehr ihre Unfähigkeit, die vor allem daraus resultiert, dass sie nur wenig interessiert, was Familien und Kinder brauchen, dafür aber offenbar stark ideologisch verblendet ist. Dies schlägt sich in ihrem Reden und Handeln nieder. Nachfolgend ein paar “Glanzstücke” von Ursula von der Leyens familienpolitischem Wirken.

Das Elterngeld

Das Elterngeld mag vom Grundgedanken her zwar eine gute Idee gewesen sein, die Umsetzung ist jedoch schlecht. Denn das Elterngeld löst das Erziehungsgeld ab, welches entweder in Höhe von 300 Euro für maximal 24 Monate oder in Höhe von 450 Euro für maximal 12 Monate gewährt wurde, solange Einkommensgrenzen nicht überschritten wurden.

Das Elterngeld hingegen wird für 12 bzw. 14 Monate (”Partnermonate”) gewährt und beträgt 67% des letzten Einkommens des erziehenden Elternteils, maximal aber 1.800 Euro im Monat. Arbeitslose und Geringverdiener erhalten hingegen nur den Mindestbetrag von 300 Euro monatlich ausgezahlt. Somit ergibt sich gerade für die sozial schwachen Gruppen eine Verschlechterung um 50%, während Normal- und Besserverdiener ihre Unterstützung vervielfachen können, ab 2.700 Euro Einkommen gar versechsfachen. Man schwächt die Schwachen und stärkt hingegen die Starken auf Kosten der Schwachen - Solidarität pervers.

Es stellt sich die Frage, ob es sich um bloße Konstruktionsfehler des Elterngeldes handelt oder ob nicht gerade damit eine Ideologie zum Ausdruck kommt, die sozial Schwache und insbesondere Arbeitslose als “Menschen zweiter Klasse” verstanden wissen will. Erschreckenderweise wird diese Ideologie in der heutigen Zeit vor allem im sich selbst als “christlich” bezeichnenden Lager vertreten. Man könnte auch von einem Instrument zur “Auszucht der sozial Schwachen aus dem Volkskörper” sprechen. Schon die Begriffe sollten erkennen lassen, welche unselige Ideologie sich dahinter im Kern verbirgt.

Christliche Einfältigkeit und ideologische Verblendung

Im März 2006 erschienen bei n-tv.de ein Bericht, der sehr schön offenbart, welche Ziele Ursula von der Leyen verfolgt. Darin heißt es, “Eltern sollten mit ihren Kindern beten und ihnen so selbstverständlich wie die Muttersprache auch Religion mitgeben.” Von dieser Aufforderung dürften sich alle Atheisten beleidigt fühlen. Weiter meint Frau von der Leyen: “Religion und Religiosität helfen, Vertrauen in die Zukunft zu haben.” Dass Opium beruhigt, ist bekannt. Dass Religion als Opium für die Massen selbige auch vorübergehend zu beruhigen vermag, ist auch bekannt. Allerdings fragt man sich, wie von der Leyen zu einem Zeitpunkt, wo die ersten Berichte verhungerter, von den Eltern misshandelter oder getöteter und verwahrloster Kinder die Runde machten, solch einen Unsinn verbreiten kann. Realitätsverweigerung? Die Hilfe, die solche Kinder und deren Familien als Ganzes benötigten, sind von viel grundlegenderer Natur. Weder füllen Gebete den Magen, noch ersetzen sie Erziehung durch liebevolle und fürsorgliche Eltern, Bildung oder Chancengleichheit!

Das Bündnis für Erziehung

Im April 2006 verkündete Ursula von der Leyen, dass sie in einem Bündnis für Erziehung zusammen mit den Kirchen Leitlinien für die Erziehung erarbeiten wolle, wobei “christliche Werte wieder zum Fundament der Erziehung” werden sollen. Nachdem jüdische und muslimische Organisationen protestiert hatten, lud Frau von der Leyen auch andere Religionsgemeinschaften und Gruppen ein, die selbige “Einladung” zutreffend als “Einladung zweiter Klasse” kritisierten. Zudem dürfte die Frage interessant sein, wie unsere Familienministerin es mit der grundgesetzlichen Trennung von Staat und Kirche hält, wenn sie in der Erziehung eine so enge Verbindung von Staat und Kirche forciert. Dennoch nahm sie das Bündnis weiter in Schutz, da die Kirchen ja so viele Erfahrungen im Umgang mit Kindern hätten. Gehen wir einmal zu ihren Gunsten davon aus, sie meinte damit nicht bloß den Umgang diverser Priester mit Kindern zur sexuellen Befriedigung.

Zeitgleich sterben in Deutschland weiter Kinder durch Verwahrlosung. Wahrscheinlich waren sie alle nur nicht “gute Christen”, nicht wahr, Frau von der Leyen? Es fehlen im Bündnis jedoch die richtigen Experten für Erziehung: Pädagogen, Soziologen, Kinderärzte, Psychologen, meinetwegen auch Philosophen und dergleichen. Was wird bei diesem Bündnis wohl rauskommen? Ein ideologisch geprägtes Erziehungssystem wie in einem radikalen Gottesstaat? Wehe, wenn ich auf das Ende sehe…

Der Fall Kevin und das “Frühwarnsystem”

Während Ursula von der Leyen noch mit den Kirchen ihr Kaffeekränzchen zum Bündnis für Erziehung abhält, vergeht inzwischen kaum eine Woche ohne Berichte über neue Misshandlungen, Verwahrlosungen und Tötungen von Kindern durch ihre Eltern. Der Fall Kevin löste bundesweit Bestürzung aus: der zweijährige Kevin aus Bremen war trotz Vormundschaft des Jugendamtes bei seinem drogensüchtigen Vater belassen worden. Das nächste Mal, als man ihn sah, lag er tot im Kühlschrank in der Wohnung seines Vaters. Die Bremer Sozialsenatorin Karin Röpke trat daraufhin zurück. Experten beklagten erneut, “dass es in Deutschland eher möglich sei, über Jahre hinweg ein Kind zu quälen als die gleiche Zeit mit einem Auto ohne TÜV zu fahren”.

Die Reaktion unserer Suppermutter-Ministerin von der Leyen: in 5 (!) norddeutschen Städten soll ein Frühwarnsystem eingerichtet werden. Dafür soll über eine Bundeshilfe ein Betrag von 10 Millionen Euro bereitgestellt werden. Das ergibt 2 Millionen Euro pro Stadt - weniger als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ursula von der Leyen beschreibt, was damit geschehen soll:

“Bei dem Frühwarnsystem gehe es nun darum, die Abstimmung zwischen den Institutionen so zu organisieren, dass gefährdete Kinder “nicht in einem Vakuum” zwischen den Verantwortlichen landen.”

Abstimmung zwischen den Institutionen, so so. Vakuum zwischen den Verantwortlichen. Leeres Geschwafel. Es soll also eine Vernetzung und ein besserer Informationsfluß zwischen den verscheidenen Institutionen eingerichtet werden und ein Verantwortlicher da sein, dem man im schlechtesten Fall die Verantwortung zuschieben kann. Kein Wort von Hilfen für die Kinder und ihre oft selbst mit dem Leben überforderten Eltern. Ganz Medizinerin, doktert von der Leyen an Symptomen herum, verschließt aber vor den Ursachen die Augen, weil sie wohl nicht in ihr “christliches Weltbild” passen. Schließlich müsse man ja mit Kindern beten. Beten ist so auch das einzige, was die betroffenen Kinder angesichts dieses “umwerfenden Engagements” dieser Familienministerin tun können. Hilfe wird nicht stattfinden, obwohl bekanntermaßen die Verwahrlosung der Kinder Symptom der Verwahrlosung und Überforderung der Eltern ist. Da hilft es nicht, bloß das Kind ins Heim zu stecken, sondern da müssen in der Regel Hilfen für alle Mitglieder der Familie her. Soziales Elend ist menschliches Elend und das Elend der Eltern wird zum Elend der Kinder. Ist Logik für diese Super-Christin ein Fremdwort? Oder will sie nur nicht entgegen der Parteilinie zugeben müssen, dass der bereits erfolgte und noch geplante soziale Kahlschlag maßgeblich an den negativen Entwicklungen in den Familien verantwortlich ist?
NRW-Familienminister Armin Laschet bringt es auf den Punkt: “Nötig sei eine schnelle und flächendeckende Errichtung sozialer Frühwarnsysteme”. Schnell. Flächeneckend. Soziale Frühwarnsysteme. Der Mann hat verstanden - Ursula von der Leyen nicht. Beinahe möchte man fragen: “Handelt sie schon oder betet sie noch?”

Kein Herz für Jungs

Die geschlechterpolitische Initiative MANNdat veröffentlicht einen Bericht, nach dem es Ursula von der Leyen egal ist, dass in unserem Bildungssystem immer häufiger Mädchen bevorzugt und Jungen benachteiligt werden:

»Ich finde es nicht schlimm, dass Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen.« meint Ministerin von der Leyen in der Berliner Zeitung vom 29.09.06.
(…)
Frau von der Leyen ist nicht nur Bundesjugendministerin, sondern auch Chefin des Ministeriums der Antidiskriminierungsstelle und der Gleichstellungspolitik in Deutschland. Das sind gleich drei Gründe, die Frau von der Leyen bewegen müssten, die Bildungsdiskriminierung von Jungen zu bekämpfen. »Wenn es den Mädchen schlechter gehen würde, krähe kein Hahn danach«, rechtfertigt die Bundesjugendministerin ihre Verharmlosung der Bildungsdiskriminierung von Jungen. Offensichtlich hat Frau von der Leyen 30 Jahre Geschlechterpolitik verschlafen. 30 Jahre, in denen Mädchen intensiv gefördert wurden, um ihre Zukunftsperspektiven zu verbessern. 30 Jahre, in denen aber auch die Jungen soweit vernachlässigt und ausgegrenzt wurden, dass wir sie heute völlig aus den Augen verloren haben.

Solche Äußerungen wären einer Feministin á la Alice Schwarzer würdig, nicht aber einer Familienministerin, welche die Interessen von Kindern unabhängig vom Geschlecht vertreten soll. Wer die zunehmende Bildungsdiskriminierung von Jungen nicht als Problem, sondern als erfreuliche, positive Rückmeldung einer Geschlechterpolitik sieht, hat auf dem Posten des Familienministers schlichtweg nichts zu suchen.

Fazit

In den von christlicher Ideologie verblendeten Denkkategorien einer Ursula von der Leyen existiert das Elend von Kindern in Deutschland vermutlich nicht oder ist wohl nur Ausdruck für zu wenig Gebete. Vielleicht sollte sie erst einmal zur Kenntnis nehmen, dass es nicht in jeder Familie einen Ministerpräsidenten wie ihren Vater, einen Medizin-Professor wie ihren Mann oder eine Ärztin wie sie selbst als Versorger gibt. Ursula von der Leyen sollte einmal den brutalstmöglichen Blick ins Schattenreich des Elends deutscher Familien werfen, bevor sie sich weiter in fruchtlosen bis hirnrissigen Aktionen verzettelt. Vor allem sollte sie sich aber abgewöhnen, Kritik als Angriff zu werten, bloß weil sie sieben Kinder hat und politische Karriere macht. Vielmehr ist es so, dass jemand, der immer auf der Sonnenseite des Lebens stand, keinen blassen Schimmer von der Dunkelheit auf der Schattenseite haben dürfte. Ursula von der Leyen ist das beste Beispiel für einen solchen Typus Mensch. Außerdem sollte sie endlich wirkliche Kinder- und Erziehungsexperten wie Pädagogen, Kinderärzte und Soziologen zu einem “Bündnis für die Kinder” zusammentrommeln anstatt wie eine frömmelnde Glucke dauernd am Rockzipfel der Kirchen zu hängen. Schließlich geht sie bei Grippe ja auch zum Arzt und nicht zu dubiosen Scharlatanen. Nicht zuletzt sollte Ursula von der Leyen ihre feministischen Ambitionen einmal kritisch hinterfragen und ihre sexistische Einstellung im Hinblick auf die Bildungsdiskriminierung der Jungen ablegen. Andernfalls sollte man mit ihr das tun, was sie als “Christ” bei Kindern wahrscheinlich ablehnt: sie aus dem Familienministerium (heraus) abtreiben.

6 Kommentare zu “Warum ich Ursula von der Leyen (CDU) für eine miserable Familienministerin halte”

  1. Perspektive 2010 » Blog Archive » Deutschlands tote Kinder und die Untätigkeit einer Familienministerin

    [...] Während so deutschlandweit noch jede Woche durchschnittlich mindestens drei Kinder durch Verwahrlosung und Vernachlässigung sterben, lamentiert Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) weiter über die angebliche Notwendigkeit von Gebeten in der Familie und strebt unsägliche Erziehungsbündnisse mit den Kirchen an. Dumm nur, dass Gebete nicht den Magen füllen und auch keine Rechnungen bezahlen. [...]

  2. Perspektive 2010 » Blog Archive » Und täglich grüßt das Phrasenschwein

    [...] Mein Vorschlag: Singhammer sollte mit seiner Parteigenossin und Supermutti- Familienministerin Ursula von der Leyen einfach für mehr Kinder beten - wirkt bestimmt! [...]

  3. Perspektive 2010 » Blog Archive » Verwahrloste Kinder 2007

    [...] Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) weiter empfiehlt, dass Eltern mit ihren Kindern beten sollen, Kaffeekränzchen mit den [...]

  4. Perspektive 2010 » Blog Archive » Neues von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)

    [...] dass ich Ursula von der Leyen (CDU) als Familienministerin für irgendwas zwischen Pest und Cholera halte. Denn vor allem die Schwachen finden bei dieser “christlichen” [...]

  5. Perspektive 2010 » Blog Archive » Zitat des Tages

    [...] besonderer Widmung an die Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), die ihren Kopf offenbar nur für Bibellesungen und das Tragen von [...]

  6. Siehste waste nicht hörst - Von der Leyen: Politische Irreführung

    [...] Informationen, die in dieser Form nicht in den Standardmedien gebracht werden dürfen, finden sich im Blog [...]


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