Amoklauf von Emsdetten endet mit Hirntod bei Politikern

Ich gebe zu, die Überschrift dieses Beitrags ist polemisch. Wenn man sich allerdings anschaut, was führende Politiker nach dem Amoklauf von Emsdetten nun für einen Schwachsinn als Maßnahmen gegen solche tragischen Einzelschicksale vorschlagen, könnte man nur noch mit dem Kopf auf die Tastatur schlagen. Denn die eigentlichen Ursachen, die Bastian B. aka ResistantX in seinem Abschiedsbrief beschreibt, werden überhaupt nicht thematisiert.

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann und der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber eröffneten sogleich eine naive Scheindebatte um das Verbot so genannter “Killerspiele”. Hans-Joachim Otto, Medienexperte der FDP-Bundestagsfraktion widersprach den Bestrebungen von Stoiber und Schünemann:

Es ist bezeichnend, dass Politiker von CDU/CSU und SPD nach den schrecklichen Ereignissen in Emsdetten schon wieder nur völlig hilflose und naive Verbotsreflexe von sich geben können.

Der Hamburger Innensenator Udo Nagel schlägt nun die Einrichtung einer Datenbank für gewalttätige Heranwachsende vor. Angesichts der Tatsache, dass Sebastian B. vor seiner Tat eben nicht durch Gewalt aufgefallen war, ist dieser Vorschlag ebenso nutzlos wie ein mögliches Verbot so genannter “Killerspiele”. Im Übrigen würde eine solche Datei auch nicht die Ursachen von Gewalt bekämpfen, sondern es würde nur eine zusätzliche Überwachungsinstanz zur Verfolgung und Bestrafung eingerichtet. Dies mag aus der flachen Sicht eines Ex-Polizeibeamten wie Udo Nagel zwar als Lösung erscheinen, ist es aber bei weitem nicht.

Besonders geschmacklos finde ich das Auftreten der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann, welche zwar zumindest ansatzweise die Problematik erkennt, wenn sie von einer “zunehmenden Isolation in der Gesellschaft” spricht, aber im gleichen Atemzug mehr Geld für die Kirchen verlangt. Fakt ist jedoch, dass gerade die Kirchen nur noch geringen Einfluß auf die Jugend haben und ein nicht unerheblicher Teil der (potentiellen) Täter aus Kulturkreisen kommen, welche die Kirche ablehnen. Margot Käßmann scheint den Amoklauf als Gelegenheit für Lobbyismus in eigener Sache und Missionierung mit staatlicher Finanzierung nutzen zu wollen. Dieses Vorgehen könnte man durchaus als eine etwas andere Art der Schändung der Leiche von Sebastian B. betrachten. Frau Käßmann sollte daher lieber erst einmal schweigen und vor Scham im Boden versinken.

Liegt es am Glauben, wenn man von Politikern und anderen Köpfen der Gesellschaft so viel Unfug zu dem Amoklauf lesen muss oder handelt es sich dabei eher um generelle Defizite in Sachen Empathie und / oder Intelligenz? Was ist so schwer daran zu begreifen, dass sich unsere Gesellschaft in eine Richtung entwickelt hat, die vielen Menschen nur noch Leid bereitet? Oder widersprächen mögliche Lösungsansätze den Interessen diverser Lobbys, die Lustreisen und Politiker- Nebenjobs finanzieren, und deshalb nicht erwünscht sind?

Zwischenzeitlich versucht sich die Polizei von Nordrhein-Westfalen in Zensurmaßnahmen im China-Stil und führt dabei unter anderem so unsinnige Begründungen wie die “Urheberrechte Verstorbener” an. Das Vorgehen mit einschüchternden Anrufen bei Website-Betreibern halte ich für wenig zielführend und schädigt eher den Ruf der Polizei. Sollte es darum gehen, in diesem Fall den Werther-Effekt zu verhindern, so sollte dies offen kommuniziert werden. Eine offene Diskussion über die Beweggründe sollte jedoch nicht unterbunden werden. Themen wie z.B. Mobbing in Schulen gehören endlich auf den Tisch gelegt und bekämpft, bevor der nächste Jugendliche ausrastet. Jeden, der einer solchen Diskussion aus dem Weg geht oder sie zu verhindern versucht, trifft eine Mitschuld am nächsten Blutbad.

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