Frank Zander und das Obdachlosenfest
In einem TV-Bericht habe ich von einer Aktion von Frank Zander erfahren, der seit einigen Jahren zu Weihnachten zusammen mit einigen Sponsoren ein Obdachlosenfest ausrichtet, bei dem ca. 2000 Obdachlose ein Weihnachtsessen spendiert und auch sonst einige Zuwendungen plus ein paar Stunden Unterhaltung geboten bekommen. Einige Promi- Sternchen wie Jeanette Biedermann liefen da dieses Jahr als Servierer auf und zitierten vor laufender Kamera dann auch brav nach karmischem Prinzip, dass alles Gute, was man tue, ja automatisch zu einem zurückkomme – wie selbstlos. Alleine diese Sentenz war es schon, die micht stutzig machte, ob es sich bei dem Obdachlosenfest nicht schlichtweg um eine vorweihnachtliche PR-Aktion in eigener Sache handelt. Ich habe aus diesem Grund eine E-Mail an Frank Zander geschrieben und ihn darin auch auf das Prinzip des bedinungslosen Grundeinkommens aufmerksam gemacht:
Sehr geehrter Herr Zander,
über einen TV-Bericht bin ich auf Ihr Obdachlosenfest aufmerksam geworden. Prinzipiell halte ich es für eine gute Sache, wenn Prominente auch vor der relativen Armut in Deutschland nicht die Augen verschließen und etwas bewegen, anstatt dauernd pünktlich zur Weihnachtszeit für Patenschaften in Afrika zu werben, die oft genug vor allem die Angestellten in diversen Hilfsorganisationen speisen anstatt diejenigen, für die sie gedacht sind. Dennoch konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass auch zu einem mehr oder weniger großen Teil ein PR-Gedanke dahintersteht, zum Beispiel auch bei Sponsoren wie den Berliner Verkehrsbetrieben, die für die Aktion Busse zur Verfügung stellt, während sie den Rest des Jahres dafür sorgen, dass Obdachlose für Schwarzfahren gerichtlich belangt und eingeknastet werden, wenn sie die Strafe nicht zahlen können.
In der Berliner Zeitung werden Sie wie folgt zitiert: “Es ist mein Gerechtigkeitssinn, gegen die Arschlöcher dieser Welt den Armen etwas zu geben”. Wenn dieser Gerechtigkeitssinn von mehr als einem PR-Gedanken getragen ist, sollten Sie zusätzlich Position für das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens beziehen. Infos dazu finden Sie unter http://www.grundeinkommen.info Denn während Sie mit Ihrer Aktion ein paar Stunden Ablenkung schaffen, würde das bedingungslose Grundeinkommen die elementaren Probleme vieler Menschen – auch der Obdachlosen – ein für allemal aus der Welt schaffen.
Es ist nun einmal Fakt, dass diese Welt allen Menschen gehört und alles, was aus und auf ihr weltweit geschaffen wird, das Ergebnis des Wirkens aller Menschen über viele Generationen ist. Dass daher auch alle Menschen angemessen an diesem Ergebnis beteiligt gehören, indem ein solches bedingungsloses Grundeinkommen oder ein Rechtsanspruch auf Grundrechte wie Wohnung, Ernährung, Kleidung, Mobilität, Kommunikation usw. garantiert wird, sollte selbstverständlich sein. Das Prinzip der Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand über einen Arbeitsplatz funktioniert in einer globalisierten Welt von Tag zu Tag schlechter, so dass es eines neuen Modells zur Teilhabe aller bedarf, wie es das bedingungslose Grundeinkommen darstellt.
Ich finde es darüber hinaus überaus pikant, wenn bei Ihrem Obdachlosenfest Personen wie Laurenz Meyer (CDU) mitlaufen, der von “mehr Solidarität, mehr Menschlichkeit” spricht. Dies entbehrt nicht einer gewissen Skurrilität, waren und sind es doch Leute wie Meyer und andere “Christen”, die mittels Hartz IV, Gesundheitsreform und anderen Maßnahmen zur stillen Extinktion der aus dem Produktionprozess ausgeschiedenen Menschen blasen und diese Armut per Gesetz mitbeschlossen haben. Von den Kontroll-, Überwachungs- und Unterdrückungsmaßnahmen, mit denen sich Arbeitslose, die in der Regel ohnehin schlecht gebildet sind, auch was ihre eigenen Rechte betrifft, konfrontiert sehen, ganz zu schweigen.
Wenn Sie also etwas mehr für die Armen dieses Landes tun wollen als sie ein paar Stunden PR-trächtig aus ihrem Elend zu holen, verbreiten Sie das Konzept des bedinungslosen Grundeinkommens und treten Sie in der Öffentlichkeit für dieses Konzept ein. Und erzählen Sie auch Politikern wie Laurenz Meyer davon, bevor die nächsten entrechtenden Verschärfungen und Verarmungsmaßnahmen nach Hartz-Prinzip beschlossen werden. Almosen wie das Obdachlosenfest geben den Menschen vorübergehend ein wenig Linderung ihres Elends. Existenzielle Grundrechte wie das bedingungslose Grundeinkommen lösen dauerhaft die elementaren Probleme armer Menschen und geben ihnen ihre Würde zurück.
Mit freundlichen Grüßen
Ob da eine Antwort kommt? Falls ja, werde ich natürlich darüber berichten

