Zur Hinrichtung von Saddam Hussein
Mit einer gewissen Gleichgültigkeit habe ich die Nachricht über die Hinrichtung von Saddam Hussein zur Kenntnis genommen, wenn auch mit einem unguten Gefühl in der Magengegend. Prinzipiell lehne ich die Todesstrafe ab, egal ob sie in den USA, im Irak oder einem beliebigen anderen Land der Welt durchgeführt wird. Andererseits ist nicht zu leugnen, dass Saddam Hussein zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat, die widerwärtiger kaum sein könnten. Ich erinnere mich nur an diverse Bilder aus dem Kampf in Bagdad als Gefangene aus den Folterkellern befreit wurden – viele davon in einem erbärmlichen Zustand.
Gleichwohl hat die schnelle Hinrichtung einen faden Beigeschmack. Erstens dürften Extremisten diese als Siegerjustiz auslegen und Hussein so zu einem Märtyrer werden, in dessen Namen zukünftig im Irak gebombt wird. Bloß weil heute wenig passierte, bedeutet dies nicht, dass es so bleibt – erstens geht das islamische Opferfest los und zweitens braucht es immer ein wenig Zeit bis ein Märtyrer fertig ist. Dem geht immer eine gewisse Mythenbildung voraus, der die amerikanische Regierung mit ihrem Drängen auf eine schnelle Hinrichtung erheblich Vorschub geleistet hat. Erst werden Gerüchte kursieren, dann Mythen entstehen und am Ende die USA als noch widerwärtigere Besatzungsmacht wahrgenommen als dies heute schon der Fall ist – und bekämpft werden.
Weiterhin ist auch nicht auszuschließen, dass die schnelle Hinrichtung unter anderem deshalb so sehr forciert wurde, da sonst vielleicht zu befürchten gewesen wäre, dass Hussein so einige verfängliche Dinge über das Wirken amerikanischer Geheimdienste oder der Bush-Regierung hätte auspacken können. So hörte man aus amerikanischen Regierungskreisen zu Hussein beispielsweise Sprüche wie “He is a bastard, but he is our bastard“:
Saddams Nähkästchen seiner vormals innigen Beziehungen zu den USA könnte in einem Prozess mehr als ein nur propagandistisches Pulverfass sein, das Bush und den Seinen nach ihrem gerechten Krieg um die Ohren fliegt.
Das galt es offenbar zu verhindern. Ich denke, dass sich die USA mit dieser Aktion einmal mehr als inquisitorisch organisierte Siegerjustiz betätigt hat. In diesem Fall wohl vor allem zum Zwecke der Vertuschung von Verbandelungen zwischen der amerikanischen Regierung und Saddam Hussein, bevor dieser den USA den Stinkefinger zeigte. Mit dem Leben von Saddam Hussein sind leider auch das Wissen und viele Details darüber verloren gegangen, wie rücksichtslos Washington agiert, wenn es um die Durchsetzung eigener politischer und wirtschaftlicher Interessen geht. Die Installation von Marionetten-Regimes und politischen Handpuppen in Krisenregionen scheint dabei Usus zu sein.
Im Forum der Baseler Zeitung ist dazu zu lesen:
Ebenfalls fällt auf, dass man bei dieser Politik in der Rückbetrachtung meistens keine moralischen Kriterien sieht, diese jedoch in der jeweils aktuellen Lage immer angegeben wurden. Der rote Faden, der sich durch die Ereignisse zieht ist, ist jedoch eine konsequente, immer kurzfristig angelegte Interessen- und Machtpolitik.
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


am 14. Januar 2007 um 11:23:03 Uhr.
[...] Ich hatte bereits neulich geschrieben, dass mich die Hinrichtung von Saddam Hussein unschlüssig darin ließ, wie diese zu bewerten sei. Dabei hatte ich auch schon darauf hingewiesen, dass die USA und deren Kriegsminister lange mit dem IRak und insbesondere Saddam Hussein paktiert hatten, um ihre eigenen interessen durchzusetzen. Nun fand ich einen Beitrag, der dies genau in den passenden Worten verpackt: [...]