Functional Food: Gesundes Essen?

Functional Food ist in aller Munde. Das sind Nahrungsmittel, die einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben sollen. An sich handelt es sich dabei meist um den schon bekannten Mist aus den Fabriken der Lebensmittel-Industrie, jedoch wird dieser mit Vitaminen, Mineralstoffen, ungesättigten Fettsäuren und Bakterienkulturen angereichert. So ziemlich jeder sollte mittlerweile Wetterfrosch Jörg Kachelmann kennen, der den Zuschauern mit quakender Stimme empfiehlt, doch auch mal diesen ach so tollen Trink-Joghurt mit Bakterien zu sich zu nehmen, den er für den Hersteller in die Kamera hält. Gerade bei Nahrungsmitteln für Jugendliche, Kranke und Altere wird inzwischen alles mit Vitaminen versehen. Ob es Kekse, das Pulver für wäßrige Tassensuppen oder Tütchen mit Nudelgerichten sind, überall prangen nun Hinweise auf die Vitamine und anderen Zusätze:

Wer Gesundheit verspricht, kann besser abkassieren, das haben auch die Food-Firmen längst begriffen. Immer mehr Lebensmittelhersteller reichern ihre Produkte zum Beispiel mit Vitaminen und Mineralstoffen an. Schon werden zwanzig Prozent aller deutschen Erfrischungsgetränke mit Multivitaminmischungen versetzt. Tendenz steigend.

Quelle: Zeit online

Hier einmal ein Auszug aus der Zutatenliste von Knorr activ “Farfalle mit Frühlingsgemüse in Kräuter-Sauce”:

  • 5% Gemüse
  • pflanzlicher Ballaststoff Inulin
  • Geschmacksverstärker
  • pflanzlicher Ballaststoff Akaziengummi
  • Stabilisator
  • Aroma
  • Weißweinextrakt
  • Vitamin E
  • Vitamin B1
  • Vitamin B6
  • Vitamin B12
  • Folsäure

Die typischen Zutaten wie Nudeln, Salz und Milcheiweiß habe ich weg gelassen, damit die Liste nicht zu lang wird. Bei lediglich 5% Gemüse war der Frühling, aus dem das Gemüse stammt, aber ein arg dürftiger. Inulin ist ein pflanzlicher Reservestoff, der im Enddarm von Bakterien zu Fettsäuren umgewandelt wird. Akaziengummi ist sonst als gummi arabicum bekannt, das die Ägypter als Verdickungsmittel und bei der Mummifizierung einsetzten. Die Vitamine stehen am Ende der Zutatenliste, was bedeutet, dass ihr Anteil an der Füllmenge am geringsten ist.

Keine der aufgeführten Zutaten ist natürlicherweise in den Packung enthalten, wenn man von dem verschwinden geringen Anteil Gemüse einmal absieht. Die Zusätze haben also ernährungsphysiologisch den gleichen Wert wie die banale Einnahme einer Vitamin- Tablette - bloß dass sie nun unter die Sauce gerührt wird. Welche Menge der Zusätze die Zubereitung überstehen und inwiefern sie tatsächlich gesundheitsfördernd wirken, ist umstritten. Functional Food ist meiner Meinung nach komplett überflüssig. Ein ausgewogene Ernährung ist vollauf ausreichend:

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sieht Functional food derzeit ebenfalls eher skeptisch. Bislang sei es “nur in wenigen Fällen nachgewiesen, ob und inwiefern nutraceuticals tatsächlich gesundheitsfördernd wirken”, meint ihr Präsident, Professor Günther Wolfram. Die DGE plädiert dagegen grundsätzlich für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. “Wenn der Verbraucher glaubt, sich mit einem nutraceutical die Gesundheit kaufen zu können, die er durch falsche Ernährung geschwächt hat, so wird das nicht funktionieren”, warnt der Mediziner Wolfram.

Kurzum, man lässt solche vermeintlichen Gesund-Produkte mit der obigen Liste ähnlichen Zutaten am besten im Regal. Oder greift gleich zu Vitaminpillen. Stattdessen nimmt man ein paar normale Nudeln, am besten noch Vollkorn-Nudeln, kocht sie, dazu frisches oder tiefgekühltes Gemüse schonend kochen, den Sud verdicken und mit ein paar Kräutern frisch vom Markt oder aus der Tiefkühltruhe verfeinern. Mit passenden Gewürzen und Kräutern abschmecken - fertig. Die Vollkorn-Nudeln bringen die Ballaststoffe gleich mit, die beim funktionellen Tütenfutter erst noch zugesetzt werden müssen. Den Gemüseanteil kann man bei eigener Zubereitung nach Belieben zwischen 20 und 60 Prozent variieren und saisonal anpassen. Da braucht es dann auch keine Vitamin-Zusätze mehr.

Ich betrachte Functional Food primär als für die Lebensmittel-Industrie gewinnträchtige Mogelpackung, für die bei ausgewogener Ernährung keine Notwendigkeit besteht. Eher soll wohl bei denen, die sonst auch nur Schnell- und Fertigfutter zu sich nehmen, das schlechte Gewissen beruhigt werden. Das wäre dann allerdings auch die einzige nachweisbare Wirkung dieser Produkte.

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