Verbraucherschützer kritisieren Banken
Ich hatte bereits vergangenes Jahr über einen Artikel bei Spiegel Online berichtet, der die zwielichtigen Machenschaften der Banken bei Krediten beschreibt. Da werden die Leute mit angeblich niedrigen Zinsen angelockt, die nur bei bester Bonität gelten (also praktisch dann, wenn man eh keinen Kredit bräuchte), bekommen dann aber neben höheren Zinsen auch noch teure wie teils ebenso unsinnige Restschuldversicherungen aufgeschwatzt, mit deren Prämien sich die Bank noch einmal die Taschen vollstopft.
In einem Bericht auf tagesschau.de hat nun auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen das oben beschriebene Vorgehen als “Neue Form von Kredit-Wucher” kritisiert. Denn die Prämien der Versicherungen, die einspringen sollen, wenn der Kreditnehmer wegen Tod, Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit nicht mehr zahlen kann, fließen nicht in die Berechnung des Effektivzinses mit ein – das müßten sie aber. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Dann ergäbe sich nämlich schnell ein Zinssatz von 30 Prozent und mehr. Der Sprecher des vzbv fordert ein Einschreiten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
Ein Beispiel verdeutlicht die Abzocke der Banken zu Lasten der Verbraucher: Bei einer Kreditsumme von 30.000 Euro entstünden Gebühren und Zinsen in Höhe von 9.642 Euro. Schon alleine dies ist knapp ein Drittel der Kreditsumme. Für die aufgedrückte Restschuldversicherung würden weitere 17.315 Euro (!) Prämien fällig. Dies ist noch einmal mehr als die Hälfte der Kreditsumme. Der Kreditnehmer würde somit unter dem Strich gut 69.000 Euro für die geliehenen 30.000 Euro zahlen!
Ohne die Restschuldversicherung wären hingegen “nur” 7810 Euro Kosten entstanden. Wenn man sich diese Zahlen einmal untereinander schreibt, dann weiß man nicht, ob ein Einschreiten der BaFin bei einer solch dubiosen, wenn nicht gar kriminellen Geschäftspraxis noch angemessen ist. Da fielen mir auf die Schnelle Begriffe wie Betrug und Wucher ein.
Peter Wacket, der Geschäftsführer des Bankenfachverbandes verwies auf die steigende Zahl der Privatinsolvenzen und meint, es sei daher “geradezu unverantwortlich” von von einer Restschuldversicherung abzuraten. Die angebliche Fürsorge des Herrn Wacket ist jedoch verlogen, denn die Restschuldversicherungen nützen ausschließlich den Banken, die damit, zusätzlich zum Kreditgeschäft, noch einen dicken Reibach machen. Denn wenn die Versicherung nicht notwendig wird, erhöht sich der Gewinn der Bank immens. Ohnehin ist heute vielen Banken eine Versicherung angegliedert, sei es die Allianz bei der Dresdner Bank oder die Provinzial bei den Sparkassen.
Der Sinn einer Versicherung die mehr als die Hälfte des Schadensrisikos an Prämien kostet, will sich mir nicht erschließen und besonders günstig ist sie auch nicht. Nehmen wir einmal an, ich hätte 1.000.000 Euro (schön wär’s) und wollte diese versichern lassen. Wenn einem da der Versicherungsagent ein Produkt mit Prämien in Höhe der Hälfte dieser Million andrehen wollte, würde man ihn wohl einfach nur achtkantig rauswerfen. Denn einen Teil der Summe ansparen und investieren könnte ich auch selbst ohne eine Versicherung. Nichts anderes machen die Banken. Die sichern sich über die Restschuldversicherung so praktisch einen zusätzlichen Gewinn in Höhe der Kreditsumme. Wer sich auch nur halbwegs auskennt, der weiß, dass es für Finanzprofis kein Problem ist, innerhalb von ein paar Jahren – nehmen wir mal 60-72 Monate Laufzeit des Kredits an – aus den 17.315 Euro Prämien noch einmal bis zu 30.000 Euro zu machen. Die Banken holen aus vielen Investments problemlos 12-20 Prozent Rendite raus. Die Provision der Versicherung an die Bank für die Vermittlung der Restschuldversicherung nicht zu vergessen.
Mir ist klar, dass man da eine Mischkalkulation machen und Schadensfälle einplanen muss, aber unter dem Strich machen die Banken und die Versicherungen mit dem Produkt “Restschuldversicherung” sicher einen kräftigen Reibach. Sonst würden diese Versicherungen nicht jedem Kredit-Kunden so bereitwillig aufgeschwatzt, in anderen Beispielen gar bei nur lächerlichen 5.000 Euro Kreditsumme. Auch sollte nicht vergessen werden, dass sich Versicherungen gerne mit fadenscheinigen Argumenten und geradezu mafiösen Versicherungsbedingungen vor dem Zahlen drücken. Ob im Rahmen eines Kreditgesprächs überhaupt eine angemessene Beratung über die Vorteile und Nachteile, Kosten und Leistungen der Restschuldversicherung erfolgt, ist zweifelhaft. Denn die Situation ist ja in der Regel erzwungen und der Kunde steht den eloquenten, smart grinsenden Bank-Beratern ja meist als eine Art Bittsteller gegenüber.
Um auf den Spruch von Peter Wacket zurückzukommen, dass es “geradezu unverantwortlich” sei, den Kunden keine Restschuldversicherung anzudrehen: Gibt es denn eine Untersuchung darüber, wie häufig gerade die horrenden Prämien der Versicherung die Kreditnehmer so stark belastet haben, dass diese vor dem Ende der Rückzahlung eingeknickt sind? Und wäre dies vielleicht nicht passiert, wenn nicht fortwährend die hohen Prämien für die Restschuldversicherung hätten gezahlt werden müssen, so dass die Mittel der Kreditnehmer unnötig verknappt wurden? Fragen über Fragen, auf die wir von einem Bankenfachverband sicher keine ehrliche und aufrichtige Antwort erwarten können. Es sollte aber klar geworden sein, worum es dort geht: so schnell wie möglich so viel Geld der Kunden wie möglich zu ergaunern, egal mit welchen Mitteln. Wen interessieren da schon Privatinsolvenzen, versteigerte Eigenheime, die dann zu Spottpreisen von Bank-Beratern der Vorbesitzer gekauft werden können oder Selbstmorde und Familientragödien? Kapital kennt keine Moral.
Angesichts der Geschäftspraktiken von Banken müßte sich niemand wundern, wenn die Menschen in Frankfurt eine Party feiern würden, landeten dort mal ein paar Jets in den einen oder anderen Wolkenkratzer der Finanzwirtschaft. Denn was ist jemand, der lebenslang aus purem Egoismus und pervers übersteigerter Gier soziale Existenzen vernichtet, anderes als ein Mörder? Ein nicht unkluger Mann sagte einmal:
Schulden sind die unsichtbaren Ketten, die die Menschen heute tragen. Dabei schuldet niemand irgendwem etwas. Diese Welt gehört uns allen, aber ein paar Ganoven haben sie sich unter den Nagel gerissen und verkaufen den Massen, was ihnen eh schon immer gehörte. Aber die kapitalistische Sklaverei kennt eben keine Ketten oder Peitschen und wirkt daher zivilisiert. Unter dem Strich jedoch kann man mit Schulden und Armut besser unterdrücken, quälen und töten als mit allen Ketten, Halsbändern, Peitschen und Schlagstöcken dieser Welt.
Dass die obigen Ausführungen zutreffen, sehen wir immer wieder bei angekündigten Massen-Entlassungen: die Leute haben sich Häuser und neue Autos auf Pump gekauft und dann stehen sie dumm da. So nehmen sie auch das übelste Lohndumping und andere Einschnitte hin, um bloß ihre Kredite bedienen zu können und so der Vernichtung ihrer sozialen Existenz zu entgehen.
Kurzum, ich denke, dass die überteuerten Restschuldversicherungen eher ein Teil des Problems als ein Teil der Lösung sind. Ich bin mir sicher das weiß auch ein Peter Wacket ganz tief in sich drin, wenn er einmal ehrlich zu sich selbst ist. Das System ist der Fehler, aber er wagt es nicht, dies auszusprechen, solange er selbst nur komfortabel darin leben kann.

