Wenn die Zeiten schlechter werden…

…haben Nepper, Schlepper, Bauern- und Seelenfänger Hochkonjunktur. Nein, ich rede dieses Mal nicht von zweifelhaften Schweizer Hilfsorganisationen, die sich zum Spendensammeln von ein paar Blognutten bejubeln lassen. Vielmehr denke ich dabei an Organisationen wie The Call, die vor allem Jugendliche ködern und zu “Jungmissionaren” ausbilden oder an irgendwelche dauerbeleidigten Christen-Fundis aus Chemnitz, die in der 5. Klasse der Schule ihrer Kinder die Lektüre von Harry Potter verbieten lassen, weil sie ihre “christlichen Gefühle” durch die Magie in Harry Potter verletzt sehen:

Der Schulleiter des Kepler-Gymnasiums, Stephan Lamm, erklärte, man respektiere die Gefühle der Eltern und werde Harry Potter nicht als Einzelwerk in der betreffenden 5. Klasse behandeln.

Sorry, wenn ich so direkt frage, aber hat Stephan Lamm Lust am Einknicken vor religiös verblendeten Irren? Bücher wie Harry Potter sind Fiktion und Fantasie und können schon alleine deshalb keine religiösen Gefühle verletzen. Wer durch solche Kinderbücher seine christlichen Gefühle verletzt sehen will, sollte dringend einen Nervenarzt aufsuchen – sowas ist heilbar! Sonst sind das nämlich später die gleichen durchgeknallten Leute, die ihren Kindern in der 7. oder 8. Klasse die Teilnahme am Schwimmunterricht oder an Sexualkunde vorenthalten wollen, aber im gleichen Atemzug auf angeblich intolerante und dauerbeleidigte Moslems schimpfen, weil sie die Mohammed-Karikaturen nicht so lustig fanden wie diverse christliche Faschisten, die beispielsweise auch schon einmal wegen einem Schwein am Kreuz – einer Karikatur – vor Gericht ziehen.

Als wenn das alles noch nicht genug wäre, laufen mittlerweile auch in Dänemark genug Sektenmitglieder rum, beispielsweise von Faderhuset:

Die dänische Sekte Faderhuset will expandieren – auch nach Deutschland. Die Chefin wettert gegen die dämonische Jugend, Skeptikern in den eigenen Reihen drohen Gehirnwäsche und Teufelsaustreibungen. Zuletzt hatte die dubiose Christentruppe durch den Abriss eines Jugendzentrums Krawalle provoziert.

Bei diesem Jugendzentrum geht es um das Jugendhaus Ungdomshuset im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro, welches kürzlich unter Protesten und Krawallen von einer dänischen Anti-Terror-Einheit unter Einsatz von Hubschraubern geräumt wurde, als würde es sich bei den Besetzern aus der linken Szene um Terroristen handeln. Dabei hatte Faderhuset auf recht dubiosem Wege das Haus in seine christlich-schmierigen Griffel bekommen:

Denn eigentlich hatte die Stadt das Haus mit dem Jugendzentrum an ein kleines Unternehmen veräußert und einen Weiterverkauf strikt untersagt. Doch die Verträge waren so dilettantisch, dass Faderhuset einfach die Aktien übernahm und damit das Unternehmen schluckte, die begehrte Immobilie inklusive.

Ruth Evensen, die Anführerin dieser Sekte, die sich auch schonmal gerne “Frau Gottes” nennt, meint: “Gott hat uns auferlegt, um dieses Haus zu kämpfen.” Faderhuset will nun an der Stelle des Ungdomshuset eine “christliche Mission” errichten und profitiert vor allem von äußerst liberalen Bestimmungen in Dänemark, wo mittlerweile Hunderte Frei- und Kleinstkirche ihr Unwesen treiben. Dabei ist diese Sekte bereits einschlägig bekannt:

Per Unterschrift müssen sich die Mitglieder der Sektenführung bedingungslos ausliefern und unterwerfen und, so Pastor Niels Underbjerg, “absoluten Gehorsam” versprechen. Zuwiderhandlungen werden mit rituellen Beschwörungen bis zur Gehirnwäsche und symbolischen Teufelsaustreibungen geahndet.

Ein toller Verein, nicht wahr? Aber es geht noch besser. Aussteiger berichten immer wieder, worum es Ruth Evensen und ihren anderen Seelenfängern tatsächlich geht:

Steffen war 15, als er langsam in die Fänge der Freikirche geriet. Nach einer schweren Kindheit und dem Tod seines Vaters nahmen ihn Ruth und Knut Evensen quasi an Kindes statt auf. “Ich war eine leichte Beute”, sagt Steffen heute, aber auch: “Sie haben viel an mir verdient” – er meint zum Beispiel die Sozialhilfe, die sie für ihn kassierten.

Bücher und Rockmusik sind verboten, ebenso Freunde außerhalb der Sekte Faderhuset. Jugendliche wie Steffen werden von Ruth Evensen wie Sklaven gehalten und sollen nur der Kirche dienen: sie verlieren ihr Gesicht , ihre Zukunft, ihre Vergangenheit, ihr soziales Netz, alles. Heute ist Steffen 24, depressiv und arbeitsunfähig. Er wartet auf seinen Rentenbescheid wegen Erwerbsunfähigkeit. So sieht also die Christlichkeit einer “Frau Gottes” aus.

Kein Wunder also, wenn Sektenexperten mittlerweile vor der Gefährlichkeit der Sekte Faderhuset warnen, da diese mit ihrer wirren Ideologie und durchgeknallten Methodik den psychischen und physischen Zusammenbruch ihrer Mitglieder herbeiführen. Worum es tatsächlich geht, ist auch längst klar:

Finanziert wird der missionarische Haufen durch die Ausbeutung der eigenen Mitglieder und ein undurchsichtiges Geflecht von kleineren Firmen, deren Erlösen und Steuertricks. Über eines dieser Unternehmungen, World Mission Aid, betreibt Kristina Bøjstrup Djarling für die Sekte ein Kinderheim im Südosten Indiens. Drei weitere sollen Anfang April dazukommen. Sektenexperten nennen das Gesamtkonstrukt ein “Netz aus Machtgier, Manipulation und Hochmut”.

Obige Beschreibung passt auf so ziemlich alle christlichen und evangelikalen Sekten. Sie dienen vorrangig der persönlichen Bereicherung und Befriedigung narzisstischer Bedürfnisse ihrer Anführer. Ruth Evensen will mit ihrer Sekte demnächst auf Tournee durch Europa gehen, auch in Deutschland. Homosexualität, Pornografie, Abtreibung, Prostitution setzen Evensen und ihre Missionare mit “Sünden wie Lügen, Diebstahl und Verbrechen” gleich.

Ruth Evensen fantasiert unterdessen weiter: “Gott hat große Pläne mit Faderhuset.” Sicher doch, Frau Evensen. Sollten Sie in Deutschland dorthin kommen, wo ich bin oder kurzfristig hinkommen kann (NRW) , könnten Sie und Ihre Seelenfänger ein blaues Wunder erleben. Selbst die evangelische Staatskirche hat von Frau Evensens esoterischen Lügen- und Betrüger-Verein die Nase voll:

Die Sekte “missbraucht den Namen Gottes”, sagt Pastor Ivan Larsen. Die Sekte respektiere nicht, dass in Nørrebro immer unterschiedlichste Menschen friedlich und ungestört zusammenleben konnten. “Mein Gott vergibt ihr”, sagt Pastor Larsen dann, “ich nicht”.

Das sehe ich ähnlich. Aber die christlichen Faschisten aus Ruth Evensens christlichem Betrüger-Verein hat es sicher ganz feucht im Höschen gemacht, dass sie sich ein Haus unter den Nagel reissen konnten, in dem sich sonst vor allem linke, angeblich vom Teufel besessene Jugendliche aufgehalten haben. Man wird Faderhuset entschieden entgegentreten müssen, wenn sie nach Deutschland kommen. Beispielsweise könnten Farbbeutel nach Schema Joschka Fischer dieser Hochstaplerin und falschen Predigerin Ruth Evensen sicher ganz schnell die Lust am Missionieren in Deutschland verderben :mrgreen:

Wer anhand solcher Erfahrungsberichte wie in diesem Artikel bei SPIEGEL Online über Faderhuset immer noch nicht begriffen hat, dass man für evangelikale Sekten – zu denen auch Jesus Alive Ministries von JAM-Gründer Peter Pretorius gehört – keine Werbung machen sollte, hat wahrscheinlich seinen letzten Funken Kritikfähigkeit entweder im Messwein ertränkt oder billig an Trigami verkauft.

4 Kommentare zu “Wenn die Zeiten schlechter werden…”

  1. Perspektive 2010 » Blog Archive » Zeitarbeit: Skrupellose Ausbeutung ein christlicher Wert?

    [...] diese christlichen Gewerkschaften die Sklaverei wieder einführen? Sind das zufällig evangelikale Kreise mit wörtlicher Bibelauslegung? Oder einfach kaschierte Arbeitgeberverbände, die mit [...]

  2. Zeitarbeit: Skrupellose Ausbeutung ein christlicher Wert? « Perspektive2010

    [...] Wollen diese christlichen Gewerkschaften die Sklaverei wieder einführen? Sind das zufällig evangelikale Kreise mit wörtlicher Bibelauslegung? Oder einfach kaschierte Arbeitgeberverbände, die mit christlich so [...]

  3. Perspektive 2010 » Blog Archive » Ungdomshuset vs. Faderhuset: Über Religion, Medien und Politik

    [...] im März dieses Jahres hatte ich darüber berichtet, wie in schlechten Zeit religiöse Wirrköpfe auf Seelenfang gehen. Dabei ist es vollkommen [...]

  4. Metal-Gott.com - Aus dem Alltag eines Metalheads » Blog Archiv » Brennende Kirchen in Frankreich

    [...] Denn angesichts des Umstands, dass seit geraumer Zeit radikale christliche Sekten wie The Call, Faderhuset und andere auf Seelenfang in Europa sind, könnte es sich auch um die religiöse Version [...]


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