Neoliberaler der Woche: Wolfgang Franz (ZEW)
Wolfgang Franz, seines Zeichens so genannter “Wirtschaftsweiser” und Leiter des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsförderung (ZEW), forderte kürzlich Stundenlöhne unter drei Euro. Angeblich sei dieser Vorschlag das beste Mittel zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Und die Erde ist ja bekanntlich eine Scheibe. Leider fehlte den ganzen Meldungen ein kleines Detail über das ZEW:
Das ZEW finanziert einen Teil seines Budgets durch Zuwendungen von großen Industrieunternehmen, die in einem sog. Förderkreis zusammengeschlossen und z.T. im Aufsichtsrat des ZEW vertreten sind. Es gilt als arbeitgebernah.
Es darf also daran gezweifelt werden, dass die im ZEW betriebene “Forschung” objektiv richtig und überhaupt brauchbar ist. Vielmehr dürfte es sich um ein Institut nach dem Strickmuster des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln handeln. Kurz, es sollen wohl auch dort lediglich “wissenschaftliche” Belege dafür erarbeitet werden, wie man den Staat und die Arbeitnehmer mit immer neuen Forderungen nach Steuergeschenken, Subventionen, Sozialabbau und Lohndumping noch besser ausbeuten kann. Das sagt man aber so natürlich nicht offen, sondern man spricht von angeblichen Sachzwängen, wirtschaftlicher “Vernunft” und vermeintlich wissenschaftlichen Empfehlungen. Die Forderungen des Wolfgang Franz im Überblick:
- Niedrige Löhne von 3-4 Euro noch einmal senken.
- Bloß kein Mindestlohn, vor allem keiner, der den Unternehmen die Gewinne und den Aktionären die Renditen verhagelt!
- Abbau des Kündigungsschutzes
- Flexiblere Tarifgesetze (natürlich nur nach unten)
- Kombilöhne als Reform des Niedriglohnsektors
Kurzum, alles Forderungen, wo es Arbeitgebern und Aktionären schon ganz feucht im Schritt wird. Für den Fall, dass diese Vorschläge nicht aufgegriffen werden, malt Franz schon wieder den Teufel von steigender Arbeitslosigkeit an die Wand. Vielleicht ist es diesem Wirtschaftsweisen mit seinen überhaupt nicht weisen Vorschlägen entgangen, dass niedrige Tarifabschlüsse und längere Arbeitszeiten in den vergangenen Jahren exakt Null neue Arbeitsplätze geschaffen haben. Es wird von der Wirtschaft lediglich permanent gefordert, gefordert und gefordert, dann kommen ein paar leere Versprechungen und zum Dank für niedrige Tarifabschlüsse setzt man trotzdem bei nächster Gelegenheit erstmal Hunderte oder Tausende Arbeitnehmer auf die Straße und bildet nicht im notwendigen Umfang aus, so dass man auch zukünftige Generationen gleich um ihre berufliche Zukunft beraubt.
Herr Franz, wir haben die Schnauze voll von diesem neoliberalen Scheissdreck!
Sie wollen dem deutschen Arbeitsmarkt in immer höheren Dosen das gleiche Gift verabreichen, das schon bisher mehr verschlechtert als verbessert hat. Denn selbst wenn die Arbeitnehmer gar keinen Lohn verlangen würden, käme wohl als nächstes die Forderung aus der Wirtschaft, dass die Arbeitnehmer doch bitte Geld mitbringen sollen, weil die Arbeit ihnen ein solches Vergnügen bereite und Vergnügungsparks ja auch Eintritt verlangen.
Es scheint für einen Herrn Franz unvorstellbar zu sein, dass Mindestlöhne ab 7,50 Euro aufwärts die Binnenkonjunktur beleben könnten und somit durch eine erhöhte Nachfrage auch die entsprechenden Löhne problemlos zahlbar wären, ohne dass es zu Massenentlassungen käme. Offenbar spricht Wolfgang Franz mit seiner Forderung also für die deutsche Exportwirtschaft, die eh schon einen Rekord nach dem nächsten vermeldet. Motto: “Wir kriegen den Hals aber immer noch nicht voll!”
Wolfgang Franz hat sich deshalb seine Nominierung zum Neoliberalen der Woche wirklich beinhart verdient. Seine Forschungsmethode der drei Affen ist wirklich einzigartig: Nichts sehen, nichts hören und schon gar nichts verstehen wollen, aber trotzdem den Mund aufmachen.


am 29. Juli 2007 um 05:31:15 Uhr.
[...] tätig. Beim DIW in Berlin mit Leuten wie Klaus Zimmermann oder ZEW in Mannheim mit Köpfen wie Wolfgang Franz schaut es leider auch nicht besser aus. Anstelle von kreativer Vielfalt herrscht daher lediglich [...]