Homo oeconomicus: Der Soziopath als Ideal

Immer dann, wenn man den Fehler macht, mit neoliberalen Nervensägen zu diskutieren, fällt häufig ein Begriff: der homo oeconomicus, offenbar so etwas wie das Idealbild all solcher Exemplare unserer Spezies, denen alles Menschliche vollkommen fremd ist und die ausschließlich auf Kapital fixiert sind. Dieses Modell des ausschließlich rational denkenden und nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zur Maximierung des eigenen Nutzens ins Feld geführten homo oeconomicus ist im Wesentlichen ein Soziopath als vermeintlich perfekter Mensch. Hier die typischen Merkmale eines Soziopathen:

  • Unfähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen
    Für den homo oeconomicus jenseits von geheucheltem Verständnis und verlogener Sympathie in Verkaufsgesprächen wahrscheinlich lediglich “Gefühlsduseleien”und somit wertlos.
  • Unfähigkeit zur Verantwortungsübernahme, gleichzeitig eine klare Ablehnung und Missachtung sämtlicher sozialen Normen, Regeln und Verpflichtungen
    Denn Verantwortung, soziale Normen, Regeln und Verpflichtungen bringen möglicherweise Aufwand in Form von Geld oder nicht vergüteter Zeit / Arbeit mit sich – für einen homo oeconomicus undenkbar.
  • Unfähigkeit, längerfristige Beziehungen aufrechtzuerhalten, jedoch keine Probleme mit der Aufnahme frischer Beziehungen
    Eine Wegwerf-Mentalität im Umgang mit anderen Menschen. Dazu passen nicht nur zahlreiche Manager, die mal eben Tausende Menschen in die Arbeitslosigkeit schicken, wenn es die Rendite-Erwartungen verlangen, sondern auch all jene, die selbst im sexuellen Gebiet zu reinem Konsumverhalten und Wegwerf-Mentalität neigen.
  • Geringe Frustrationstoleranz, Neigung zu aggressivem und gewalttätigem Verhalten
    Dieser Tage sehr schön beim Telekom-Chef (D)Obermann zu beobachten, der auf die durchaus berechtigten Proteste seiner Mitarbeiter damit reagierte, dass er noch aggressivere Szenarien androhte als zuvor.
  • Fehlendes Schuldbewusstsein
    Das wiederum konnte man bei Josef “Victory” Ackermann und seinen Mitangeklagten ebenso schön beobachten wie kürzlich in diversen Diskussionen um die Korruptionsfälle bei VW und Siemens. Schuld? Ach was, machen doch eh alle so!
  • Unfähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen
    Dies wiederum ist eine Eigenschaft, die viele Neoliberale zeigen. Seien es die neoliberalen Lobbys wie die INSM, die bei fehlender Wirkung des Giftes die ausschließlich immer stärkere Erhöhung von dessen Dosis fordern, oder Politiker, die das Ende der Weimarer Republik zwar kennen, aber nicht eine Sekunde zögern, für ihre Nebenjob- Arbeitgeber aus der Wirtschaft wieder eine ebenso kaputte Gesellschaft zu gestalten.

Auch zahlreiche Symptome eines Geisteskranken mit antisozialer Persönlichkeitsstörung wären auf den homo oeconomicus durchaus zutreffend. Wer ein solches Menschenbild zum Ideal erhebt, könnte wahrscheinlich auch sehr gut als menschenverachtender Diktator tätig werden.

So könnte sich ein homo oeconomicus verhalten

  • Freundschaft kennt er nur zum eigenen Nutzen, beispielsweise um eingeladen oder von A nach B gefahren zu werden.
  • Er spendet weder für UNICEF noch für den Tierschutz, sondern nur auf sein eigenes Depot.
  • Eine Beziehung oder Ehe geht wegen der möglichen Kosten nicht ein.
  • Er läßt sich sterilisieren, um vom Kostenrisiko Kinder verschont zu bleiben.
  • Tiere mag er nur auf dem Teller – möglichst billig, versteht sich. Gratis- Antibiotika im Schnitzel sind doch toll.
  • Als Vorgesetzter ist er ein Tyrann und Ausbeuter, als Kollege ein hinterfotziger Mobber.
  • Er bedankt sich bei seiner Bettgespielin dafür, dass er Dank ihr das Geld fürs Bordell gespart hat, aber an der einen oder anderen Technik solle sie noch einmal feilen.
  • Er findet freien Organhandel ebenso unproblematisch wie Kinder-Prostitution – so sei das halt am Markt mit Angebot und Nachfrage.

Aber keine Angst, liebe Leser, denn angeblich ist der homo oeconomicus ja nur eine Modellvorstellung der Wirtschaftstheorie. Wenn ich mich aber in diesem Land so umschaue, dann denke ich eher, dass er das persönliche Lebensideal vieler Neoliberaler sein könnte. Doch selbst das wäre nicht schlimm. Denn wir wissen doch alle, dass diejenigen, die heute andere Menschen erniedrigen, entwürdigen und ausgrenzen die gleichen sind, die morgen als erste aufgeknüpft werden könnten. Das wiederum wäre für unsere Gesellschaft sicherlich eine erhebliche Maximierung des Nutzens, oder nicht?

Ein Kommentar zu “Homo oeconomicus: Der Soziopath als Ideal”

  1. Das Modell Tietmeyer und ein offener Brief von Helmut Schmidt « INSM Watchblog

    [...] dem homo oeconomicus, einer Modellvorstellung der Wirtschaftstheorie, die ansonsten mehr mit einem Soziopathen zu tun hat als mit einem geistig gesunden Menschen in einer solidarischen Gesellschaft. Nun könnte [...]


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