Sozialdarwinismus 2.0
Der durch die Reformen der Agenda 2010 vorangetriebene Sozialdarwinismus 2.0, die erste Version hatten wir zwischen 1933 und 1945, scheint Wirkung zu zeigen:
Sozial Schwächere werden Gesundheitsdaten zufolge häufiger krank und sterben früher. Demnach gibt es immer mehr arme Kranke und reiche Gesunde, wohingegen die Zahlen der armen Gesunden und reichen Kranken eher rückläufig sind. Gesundheit ist im Zeitalter der Zwei-Klassen-Medizin immer mehr eine Frage des Geldbeutels.
In meiner Jugend hätte obiges Zitat eine Welle der Empörung ausgelöst und vielleicht hätten die übergeduldigen Deutschen sogar mal den Hintern für eine Demo hochbekommen. Aber man hat das ja geschickt gemacht unter Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder: Erst verleumdet man alle Arbeitslosen pauschal als “faules Pack”, das sich in der sozialen Hängematte ausruhe. Dann schreibt die Wirtschaft dem Kanzler ihre feuchten Wunschträume auf und dieser verkündet deren Wünsche als neues und angeblich notwendiges Konzept zum Umbau des Sozialstaates, der eigentlich ein Abbau und Raubbau ist. Mit den Hartz-Gesetzen sorgt man dann erst für eine Verarmung und Verelendung von Millionen Bundesbürgern und übt mittels stasiartiger Kontrollen zusätzlich psychischen Druck aus. Damit das “faule Pack” aber nicht weiter einfach bei Krankheit zum Arzt gehen und Medikamente nehmen kann, setzt man vor den Bezug medizinischer Leistungen Barrieren, indem man Eintritt beim Arzt verlangt. Das nennt sich dann Praxisgebühr. Bei Medikamenten treibt man ebenfalls die Zuzahlungen hoch und entfernt bei zahlreichen Präparaten die Verschreibungspflicht, womit auch die Verschreibungsfähigkeit endet. Das Ganze schimpft sich dann verlogen Gesundheitsreform.
Und nun will man durch ein paar billige Projekte so tun als habe man das nicht gewollt? Man hat es aber gewollt und man will es noch immer. Die Verantwortlichen wollen nur nicht schon morgen am nächsten Laternenmast baumeln.


am 19. Mai 2007 um 20:13:28 Uhr.
[...] wo heute schon unten ist und sich nicht nur die Kinderarmut rasant ausdehnt, sondern auch der neue Sozialdarwinismus immer weiter um sich greift. Es ist also nicht gerade sozial, was Thomas Straubhaar da fordert, [...]