Angebliche Kirchenschändung

Ich habe vor einigen Tagen meinen Kollegen besucht, welcher mir damals die de-Domain des Blogs registriert hatte. Dieser zeigte mir folgenden Artikel aus dem lokalen Wochenblatt Werbekurier:

Wesseling. In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni ist die Pfarrkirche St. Germanus zum dritten Mal innerhalb von wenigen Tagen geschändet worden. Pastor Markus Polders: “Nachdem wir die Kirche am Pfingstmontag schliessen mußten, wurden die Kirchenportale mit einem gelben Hexagramm beschmiert.” Der Geistliche spricht bewusst von einer Schändung, weil es sich dabei um das Symbol des Satans oder Antichristen handelt.

Ich weiß nicht, ob der Pastor Markus Polders Unsinn geredet oder ob vielleicht der Redaktionspraktikant des Werbeblättchens Werbekurier geschlampt hat. Fakt ist jedoch, dass das Hexagramm kein Symbol des Teufels oder des Antichristen darstellt. Das bekannteste Hexagramm ist nämlich der Davidsstern, der häufig auch als Judenstern bezeichnet wird. Weiterhin gilt das Hexagramm laut Wikipedia gar als Schutzsymbol gegen Dämonen und Feuer.

Leider war bei dem Artikel kein Foto dabei, daher weiß ich nicht, wie das Symbol auf der Tür der Kirche nun ausgesehen hat. Denn als Symbol des Teufels oder Antichristen gilt das Pentagramm und selbst dieses hat ursprünglich eine positive Bedeutung:

Im Volksglauben hinderte ein Pentagramm, auf die Türschwelle gezeichnet, böse Geister daran, sie zu überwinden.

Erst das umgedrehte Pentagramm, auch Drudenfuß genannt, wird letzlich als Symbol für das Böse oder Satan betrachtet. Ich empfehle Pastor Markus Polders daher, einmal weniger vom Messwein zu naschen und sich erst über die Fakten zu informieren, bevor der einen solchen Unfug von eine angeblichen Schändung verbreitet. Das Symbol stimmt nicht, die Bedeutung stimmt nicht, da stimmt schlichtweg gar nichts! Ist Polders vielleicht auf Schäfchenfang oder will er Spenden sammeln zum Schutz oder zur Renovierung seiner Kirche? Hat er vielleicht selbst einen “unruhigen” Schlaf in der letzten Zeit, seit diese angeblichen Schändungen geschahen? Wollte er rund um den Kirchentag etwas Aufmerksamkeit? Oder will er die Stimmung zwischen Gläubigen und Atheisten anheizen und alle Atheisten als Satanisten verunglimpfen? Ich weiß es nicht und ich kann auch nicht ausschließen, dass der Redakteur des Werbekuriers Müll recherchiert hat. Aber so etwas sollte man dann nicht veröffentlichen oder zumindest eine Richtigstellung nachliefern.

Glauben heißt eben nicht Wissen.

Ein Kommentar zu “Angebliche Kirchenschändung”

  1. Ulrike Meyfarth, die INSM und ein Stadion « INSM Watchblog

    [...] 25th, 2007 by insmwatchblog Kürzlich ist bei Perspektive2010 ein Artikel über eine angebliche Kirchenschändung veröffentlicht worden. Der Artikel brachte uns ins Grübeln und inzwischen ist uns der Grund [...]


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