Kardinal Meisner: Hassprediger, dauerbeleidigt oder beides?

Im Rheinland tobt ein Rechtsstreit zwischen dem Kabarettisten Jürgen Becker und Kardinal Meisner, seines Zeichens erzreaktionärste Figur der katholischen Kirche in Deutschland, seitdem Ratzinger als Benedikt XVI. im Vatikan herumvegetiert und Bücher zur Schäfchen- Verblödung schreibt. Der Kabarettist Jürgen Becker hatte am 15. Juni 2007 in einem Interview mit dem Kölner Boulevardblatt EXPRESS folgendes über Kardinal Meisner gesagt:

In Köln kann man keinen Moslem dazu ermuntern, Katholik zu werden. Denn von einem Hassprediger zu anderen zu wechseln, bringt nichts. Das Schlimme ist, Kardinal Meisner hat ja gutes engagiertes Personal, aber als deren »Manager« ist er einfach eine Nulpe. Der würde nur als Pförtner taugen.

In einem Schreiben des Generalvikars Dominik Schwaderlapp(en) wird Jürgen Becker aufgefordert, obige Äußerung nicht zu wiederholen, sonst gebe es eine Vertragsstrafe von 10.000 Euro. Angeblich seien die Äußerungen Beckers eine “schwerwiegende Beleidigung”, Kardinal Meisner könne angeblich sogar Schmerzensgeldansprüche geltend machen. Ob Jürgen Becker dann auch noch von Meisner oder dessen Kumpel Ratzinger / Benedikt XVI. in die Hölle verdammt wird, ergibt sich aus dem Schreiben jedoch nicht.

Jürgen Becker tat jedoch den Teufel und unterzeichnete die Unterlassungserklärung – völlig zu Recht – nicht, denn für ihn ist die Bezeichnung “Hassprediger” lediglich eine Zuspitzung und keine Beleidigung, der Führungsstil von Kardinal Meisner auf Grund seines Umgangs mit den Mitarbeitern mit dem eines “totalitären Regimes” vergleichbar.

Gestern Abend erließ das Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen Jürgen Becker, dass dieser Kardinal Meisner nicht mehr als Hassprediger bezeichnen dürfe. Bei einem Verstoß droht Becker ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro.

Ich meine dazu:

  1. Es ergibt sich aus Beckers Äußerungen nicht, dass er konkret die Person Kardinal Meisners als Hassprediger bezeichnete.
  2. Es ist kein Geheimnis, dass es auch in den christlichen Kirchen Personen gibt, die islamischen Hasspredigern in nichts nachstehen, z.B. christliche Rechte oder Evangelikale, die einen Gottesstaat und eine wörtliche Bibelauslegung fordern.
  3. Kardinal Meisner ist eine Person des öffentlichen Lebens, die Kritik, auch als Satire, dulden muss.
  4. Jürgen Becker ist Kabarettist und kann für sich ebenso die künstlerische Freiheit in Anspruch nehmen wie das Recht auf Kritik an Persönlichkeiten und Institutionen mit dem Mittel der Satire bzw. satirischen Zuspitzung.

Es ist Teil der Meinungsfreiheit im demokratischen Staat, mit dem Mittel der Satire Kritik an Persönlichkeiten und Institutionen zu üben. (Deutscher Journalisten-Verband)

Es ist nicht das erste Mal, dass Kardinal Meisner sich der Öffentlichkeit als erzreaktionäres Arschloch dauerbeleidigter Vertreter der katholischen Kirche präsentiert. Selbst im Karneval versucht er immer wieder Einfluß zu nehmen, damit bloß niemand vermeintlich blasphemische Motive auf den Wagen hat:

Etwa zwei Monate nach den Mohammed-Karikaturen im christlichen Dänemark stellte die bekannt freche Narrentruppe der Stunksitzung im “hillige Kölle” auch eine Satire vor: “Ratze und Meise”. 30.000 Zuschauer der “Stunker” hatten ihren Spaß an den beiden Figuren, die eigentlich Papst Benedikt XVI. und Joachim Kardinal Meisner heißen, und “laaachten sich kapott”, obwohl viele unter ihnen sicher mal katholisch getauft worden sind. Dem “Kölner Stadt-Anzeiger” gefielen die beiden zunächst gut, dass er sie mit “Ernie und Bert aus der Sesamstraße” verglich: “Mit dem kleinen Unterschied, daß es in der Sesamstraße stets getrennte Betten für die beiden Freunde gab. Ratze und Meise dagegen landen auf derselben Matratze. Gutenachtkuß inklusive.”

Meise” gefiel der Sketch gar nicht. Und weil er, wie man hört, ja mal “Ratzes” Nachfolger werden möchte, damit “wir in Deutschland” weiter Papst bleiben, wies er seine Kirchenzeitung an, zum Boykott der Stunksitzung auf- und den WDR zur Ordnung zu rufen, der die Stunksitzung seit 1991 ausstrahlt. Ein bislang anonymes Mitglied von “Meises” Kirche erstattete Anzeige unter Berufung auf § 166 Strafgesetzbuch, der “Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschaungsvereinigungen” unter Strafe stellt, und Oberstaatsanwalt Rainer Wolf (”Wir müssen jeder Anzeige nachgehen.”) teilte mit, er werde sich “den Sketch ansehen – notfalls live im E-Werk”. Da ist er inzwischen gewesen und hat die “Stunker” anschließend wissen lassen, dass er bis Mitte März brauche, um zu entscheiden, ob Anklage erhoben werde. Die Stunker durften “Ratze und Meise” jedenfalls weiter vorführen.

Auch ist es nicht das erste Mal, dass Kardinal Meisner als Hassprediger bezeichnet wird:

Wir haben mittlerweile aber auch so ne Art Hassprediger im Land. Da nenn ich mal Kardinal Meisner aus Köln, der kurz nach dem Papstbesuch Messen und Krippenspiele, sowie schulische Weihnachtsfeiern mit christlichem Inhalt neu geregelt hat. Es sollen nun keine Muslime oder deren Kinder mehr teilnehmen dürfen. Kofferbomer sind zu verachten und alle anderen die Gräben ziehen statt Brücken zu bauen auch.

(Kommentar von Hardy_K unter einem FOCUS-Artikel über Kofferbomber)

Ui ui ui, Kardinal Meisner als auch so ne Art Hassprediger, der Gräben ziehe und auch zu verachten sei. Ob Kommentator Hardy_K nun in die Hölle kommt und dort von Kardinal Meisner bestraft wird? Aber Moment mal, wie kommt der Kardinal denn in die Hölle… :wink: :lol:

Das mit Kardinal Meisners Verbot multireligiöser Weihnachtsfeiern ist übrigens zutreffend. Angeblich wollte Meisner damit eine Vermischung der Religionen vermeiden. Das erinnert mich irgendwie an Leute aus den 30er und 40er Jahren, die eine Vermischung von arischem und unreinem Blut vermeiden wollten. Aber wir können ja noch froh sein, dass Meisner keine Bücher verbrennen will, oder?

Wir sollten uns mehr an vernünftigen Menschen wie Jacques Tilly als an dauerbeleidigten Hasspredigern wie Kardinal Meisner orientieren:

Religiöse Gefühle sind nicht schützenswert, weil sie schon so viel Unheil angerichtet haben. Wären einst in Europa nicht religiöse Gefühle verletzt worden, würden auch in Köln immer noch die Scheiterhaufen brennen.” Kein Wunder, dass Tilly wegen seiner Angriffe auch schon Morddrohungen erhielt.

Ja ja, die dauerbeleidigten Christen sind ja alle so harmlos und neigen ja nicht zu Gewalt wie dauerbeleidigte Moslems, oder? Jedenfalls wollten uns das die christlich- rassistischen Hetzkompanien während der Ausschreitungen um die Mohammed-Karikaturen immer wieder glauben machen. Geschenkt, da gelogen. Bekanntlich werden in den USA von Christen ja sogar Abtreibungsärzte ermordet – im angeblichen Kampf für das Leben.

Wünschen wir Jürgen Becker also einen guten, auf Medienrecht spezialisierten Anwalt und einen Richter, der die Meinungsfreiheit höher schätzt als ominöse religiöse Gefühle irgendwelcher dauerbeleidigten und humorlosen Mimosen wie Kardinal Meisner.

Kein Fußbreit Boden für die Feinde der Meinungsfreiheit!

PS: Da les ich lieber noch ne Runde im BrightsBlog als das tumbe Geschwafel von ewiggestrigen Hasspredigern aus Köln :mrgreen:

2 Kommentare zu “Kardinal Meisner: Hassprediger, dauerbeleidigt oder beides?”

  1. Perspektive 2010 » Blog Archive » Kardinal Joachim Meisner seit Jahren als Hassprediger bekannt

    [...] berichtete ich darüber, dass der Kölner Kardinal Joachim Meisner den Kabarettisten Jürgen [...]

  2. Der wilde Garten | links for 2007-06-30

    [...] Perspektive 2010 » Blog Archive » Kardinal Meisner: Hassprediger, dauerbeleidigt oder beides? Hach ja… Kennen wir doch irgendwo her… Ich sach nur „Dyba“. (tags: News) [...]


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