Kardinal Joachim Meisner seit Jahren als Hassprediger bekannt

Gestern berichtete ich darüber, dass der Kölner Kardinal Joachim Meisner den Kabarettisten Jürgen Becker verklagt hat, weil dieser ihn als Hassprediger bezeichnet haben soll. Becker muss mit einem Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro rechnen, falls er es dennoch tut.  Was aber, wenn Kardinal Joachim Meisner in der Öffentlichkeit bereits seit Jahren als Hassprediger bekannt ist und diese Bezeichnung schon fast den Charakter eines Spitznamens aufweist? Ein paar Beispiele:

  •  Der Kölner Ratsherr Claus Ludwig vom Wahlbündnis “Gemeinsam gegen Sozialraub” griff Kardinal Meisner an, nachdem dieser in der Dreikönigspredigt im Jahr 2005 Abtreibungen mit dem Holocaust gleichgesetzt hatte:

    Durch die Gleichsetzung des Nazi-Völkermords mit Abtreibung verhöhnt Meisner die Opfer des Holocaust”. Weiter bezeichnete er den Kardinal als “echten Hassprediger”, der einen “aggressiven Fundamentalismus” vertrete.

    Auch daraufhin setzte Kardinal Meisner seinen Generalvikar Schwaderlappen in Gang:

    “Mit Ihren öffentlichen Äußerungen beleidigen Sie den höchsten Repräsentanten der katholischen Kirche in Köln.”

    In diesem Fall wurde ebenso eine öffentliche Korrektur verlangt und mit rechtlichen Schritten gedroht. Claus Ludwig ließ sich jedoch nicht einschüchtern, da er seine Äußerung als “sachlich von der Meinungsfreiheit gedeckt” sah und legte noch nach:

    Die Art, wie Meisner “seit Jahren Schwangerschaftsabbrüche in den Mittelpunkt seiner Reden stellt, gegen die Gleichstellung von Schwulen und Lesben polemisiert und mit Inbrunst Soldatengottesdienste zelebriert”, sei ein deutlicher Hinweis darauf, dass er zum Kreis christlicher Fundamentalisten zu zählen sei. Wenn Meisner in seiner Dreikönigstagspredigt wieder einmal Frauen und Ärzte auf eine Stufe mit Verbrechern gestellt habe, nehme er “zumindest billigend in Kauf, dass seine Anhängerschaft Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch haben vornehmen lassen, verachtet und hasst”, so Ludwig. Daher halte er auch die Formulierung “Hassprediger” für korrekt.

    Nicht nur er :wink: Aber die verirrten Fundi-Knalltüten von kreuz.net stärkten natürlich ihresgleichen den Rücken und versuchten den Vorfall zu einem “Angriff gegen Joachim Kardinal Meisner aus der linksextremen Ecke” umzudichten - wenn auch erfolglos.  Wahrscheinlich ist für die eh alles linksextrem, was nicht so schön “christlich”, rechts und islamophob ist wie die CSU oder Pax Europa.

    Später ruderte Meisner zwar zurück, indem er von einem angeblichen Missverständnis sprach, jedoch sind seine permanenten Holocaust-Vergleiche für Abtreibungen schon fast ebenso legendär wie sein übriges erzkonservatives Gegeifer:

    Kardinal Meisner ist zwar ein Fundamentalist, aber er ist nicht dumm. Er weiß, was und warum er etwas sagt. Man kann ihm daher mit Fug und Recht unterstellen, den genannten Vergleich bewusst angestellt zu haben. Aus diesem Grund sollten Antifaschist(inn)en mindestens vom Vatikan fordern, diesen unsäglichen Hassprediger von seinem Amt zu entbinden und in ein möglichst abgelegenes Kloster zur Bewährung zu schicken.

    Dieses Mal Kardinal Meisner als unsäglicher Hassprediger. Das mit dem abgelegenen Kloster kann man aber leider vergessen. Meisner ist Busenfreund von Papsteratzi Benedikt XVI. und wird im schlimmsten Fall wohl eher noch dessen Nachfolge antreten. Ob dabei Kardinal Meisners Faible für Opus Dei eine Rolle spielt, steht auf einem anderen Blatt.

  • Während des Papstbesuches in Köln im August 2005 traten demonstrativ um die 50 Kölner auf Einladung des Ketzer-Kollektivs aus der Kirche aus, um mit dem Austritt aus der christlichen Kirche gegen den Papstbesuch zu protestieren. Den Artikel schmückt ein Foto eines Aktivisten, auf dessen Schild geschrieben steht:

    Hassprediger Meissner -> Abschiebung sofort! Ab in den Vatikan!!

    Ähnlich lautet ein Beitrag in der Newsgroup de.soc.weltanschauung.islam zu dem Vorstoß von Annette Schavan, dass Hassprediger abgeschoben werden sollten und in deutscher Sprache gepredigt werden müßte:

    Geistliche Führer, die in Arabisch oder anderen Sprachen predigten, setzten sich dem Verdacht von Hetzreden gegen Andersgläubige aus. Das vorgeschlagene Gesetz könnte auch diejenigen Kräfte im Islam stärken, die sich um Integration bemühen. Schavan hält es für richtig, Hassprediger möglichst rasch aus Deutschland abzuschieben.

    Seit geraumer Zeit ist die Durchführung der christlichen Messe auf Latein wieder im Gespräch und am vergangenen Mittwoch führte Papsteratzi Benedikt XVI. die tridentinische Liturgie als Ergänzung wieder ein, welche seit dem zweiten Vatikanischen Konzil abgeschafft worden war. So haben nun auch die christlichen Hassprediger wieder die Möglichkeit zum unverfänglichen Austausch und zu Hasspredigten auf Latein. Toll, oder?

  • Die taz veröffentlichte im Januar 2005 einen Bericht über den irakischen Hassprediger Hassan al-Farkasi - garniert mit einem Foto von Kardinal Joachim Meisner. Dazu folgender Text:

    Mehr als bedauerlich ist der Irrtum, der uns heute auf der Wahrheit-Seite unterlaufen ist. Es ist nämlich zu einer unverzeihlichen Fotoverwechslung gekommen. Auf dem großen Foto zum Text von Rüdiger Kind ist nicht Hassan al-Farkasi zu sehen, sondern der brutale deutsche Hassprediger Joachim Meisner, der als Erzbischof von Köln gern die Nazibarbarei mit dem Recht der Frau auf ihren eigenen Körper vergleicht. Leider wurde dieser Hassprediger noch nicht aus dem Land gejagt. Wir entschuldigen uns auch dafür bei Hassan al-Farkasi.

    Dort wird Kardinal Meisner also sogar als brutaler deutscher Hassprediger bezeichnet und der Rest der Ausführungen über seine Person ist auch eher wenig schmeichelhaft verfasst.

  • In einem Artikel in der Kölner taz von Januar 2007 wird Kardinal Meisner als Gotteskrieger vom Rhein bezeichnet, der “fanatische Feldzüge gegen Abtreibung und Homosexualität” führe und die “dogmatische Rückwärtstheologie des Vatikans” wie kein andere Kleriker repräsentiere. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass im Vatikan inzwischen ein deutscher Papst sitzt, der nicht minder erzreaktionär und ewiggestrig ist wie Kardinal Meisner in Köln, beispielsweise vor Pazifismus warnt und sich das amerikanische Gesellschaftsmodell wünscht. Vielleicht fände Benedikt XVI. ja auch ein paar Kreuzzüge oder Kriege mit Menschen-Schlachterei und Brandschatzerei mal wieder ganz geil? Man weiß es nicht, aber bekanntlich ist ja nichts unmöglich.

Mein Fazit:
Die Bezeichnung Hassprediger für die Person Kardinal Meisners durch Jürgen Becker ist keinesfalls als persönlich ehrabschneidende Beleidigung zu betrachten, sondern als satirische Zuspitzung gegen christliche Fundamentalisten durch den Hinweis auf die durch sein Handeln und Reden umstrittene und polarisierende Person Meisners in der Öffentlichkeit. Wie obige Beispiele zeigen, wurde Kardinal Meisner schon lange zuvor mehrfach und von voneinander unabhängigen Personen als Hassprediger, Gotteskrieger oder Fundamentalist bezeichnet. Dass seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit von diesen Bezeichnungen dominiert wird, ist aber keine Beleidigung, sondern sein persönlicher Verdienst. Offenbar wird die Bezeichnung Hassprediger in der Öffentlichkeit, vor allem in Köln und dem Rheinland, also nicht nur für islamistische Extremisten und Hetzer verwendet, sondern auch als Synonym für einen Gotteskrieger der anderen Seite: Kardinal Joachim Meisner.  Die eingeschobene Differenzierung bei kath.net sticht hingegen nicht:

Unter „Hasspredigern“ verstehe man Personen, die unter religiöser Verbrämung volksverhetzende Aktivitäten entfalteten und zu Gewalt aufriefen. In diesem Sinn werde der Begriff insbesondere in den Medien verwendet.

Die Äußerungen von Kardninal Meisner zu Themen wie Abtreibungen und Homosexualität entfalten meines Erachtens durchaus einen volksverhetzenden Charakter. Jedoch halte ich einen expliziten Gewaltaufruf für verzichtbar, denn wer Hass predigt, predigt Gewalt, da dem Hass oft genug die Gewalt folgt wie dem Wirbelsturm die Zerstörung. Im Ausländerrecht  ist zudem nicht nur von Gewaltmaßnahmen, sondern auch von Willkürmaßnahmen und Angriffe auf die Menschenwürde die Rede:

“…in einer Weise, die geeignet ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu stören, zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet.“ (§55 Abs. 2 Nr 8b ZuWG)

Wer wie Kardinal Joachim Meisner wiederholt abtreibende Frauen und deren Ärzte in die Nähe von Holocaust-Tätern rückt, greift meines Erachtens die Menschenwürde dieser Frauen ganz erheblich an! Schade, leider ist Meisner kein Ausländer, sonst könnten wir ihn also auf Grund seiner religiösen Agitation wenigstens abschieben, wie von einem Aktivisten des Ketzter-Kollektivs plakativ gefordert. Das Etikett, ein Hassprediger zu sein, hat Kardinal Joachim Meisner sich aber eigenmäulig mehr als verdient - schon lange, bevor Jürgen Becker ihn so bezeichnet haben soll.

Allen, die gerade zu Recht über dieses Verhalten eines angeblichen “Vertreters Gottes” empört sind, empfehle ich folgende Websites zur weiteren Information. Vielleicht gelangen Sie dann ja auch zu der Einsicht, dass es die beste Entscheidung sein könnte, Ihre kostenpflichtige Mitgliedschaft bei der Institution Kirche schnellstmöglich zu beenden:

PS: Hoffen wir, dass Jürgen Becker gegen Kardinal Meisner vor Gericht zieht und ihm neben diesem Blogeintrag auch dessen eigene reisserischen Pamphlete um die Ohren hauen läßt. Das wäre mehr als überfällig.

Ein Kommentar zu “Kardinal Joachim Meisner seit Jahren als Hassprediger bekannt”

  1. del.izi.oes am 18.09.07 at kleinski //

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