Maßlose Händler und das Milchbrot
Wir haben ja gerade erst die letzte Tarifrunde hinter uns. Nachdem die Arbeitnehmer jahrelang Verzicht geübt hatte, um den fetten Industriellen die explodierenden Gewinne und Renditen an den Geldmärkten sowie den Titel des Exportweltmeisters noch vor China zu sichern, bekamen sie also neulich mal wieder ein paar lächerliche Kröten mehr in die Lohntüte. Allerdings sind die deutschen Gewerkschaften schwach, denn fairerweise hätten sie alle mit zweistelligen Forderungen in die Verhandlung gehen müssen, um den Verzicht und die Steigerung der Lebenshaltungskosten in den vergangenen Jahre zu kompensieren. Aber die wirtschaftsfaschistischen Propaganda-Agenturen von Kapital und Arbeitgebern, allen voran die Bertelsmann-Stiftung, die INSM und der Konvent für Deutschland, haben in den vergangenen Jahren ja alles dafür getan, dass die Gewerkschaften und die Arbeitnehmerrechte geschwächt wurden.
Kürzlich meldete dann der Handel, dass Milch massiv teurer werde, angeblich wegen gestiegender Nachfrage in Asien. Dies ist schon alleine deshalb unsinnig, weil den meisten Asiaten das Enzym Lactase fehlt, welches den Milchzucker aufspaltet. Wird dennoch Milch konsumiert, äußert sich dies in der Regel in Durchfällen, Bauchschmerzen und anderen Verdauungsstörungen. Es sind die typischen Symptome einer Laktoseintoleranz, jedoch um einiges stärker als bei Europäern, die meist nur zu wenig Lactase produzieren. Wer die asiatische Küche kennt, der weiß auch, dass Milch und Milchprodukte darin praktisch kaum existent sind. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Groß- und Einzelhandel den Verbrauchern hier gezielt Asien als Sündenbock und Feindbild präsentiert, um vom eigentlichen Motiv, der maßlosen Raffgier der Händler, abzulenken. Schließlich will ja das nächste DreckSUV bezahlt sein.
Just heute melden die Bäcker, dass Brot und Teigwaren auch teurer werden sollen, im Schnitt um 5 bis 20 Prozent. Neben steigenden Getreidepreisen werden als Begründung gestiegene Personal- und Stromkosten genannt. Die Energiekosten haben die Stromkonzerne zu verantworten, welche von unseren korrupten Politik-Darstellern zur Freude internationaler Heuschrecken privatisiert wurden. Die Personalkosten sind viele Jahre stagniert oder gar rückläufig gewesen, so dass die letzte Tariferhöhung wohl selbst ohne Preissteigerung tragbar gewesen wäre. Die Getreidepreise steigen zwar, da aber vor allem die Preise für jenes Getreide, das zur Produktion von Brennstoffen genutzt wird, also z.B. Raps. Raps kommt jedoch in den meisten Backwaren überhaupt nicht oder nur am Rande vor. Der einzig wahre Grund dürfte auch hier die Raffgier der Händler und Geschäftsinhaber sein.
Nicht zuletzt sorgt die durch die Gier der Händler angetriebene Inflation dafür, dass es den Massen nie wirklich besser geht. Wer nicht am Arbeitsmarkt aufsteigt, wird sich – falls er nicht zufällig erbt, im Lotto gewinnt oder Aktienvermögen besitzt – nie wirklich verbessern können. Sein Lebensstandard wird immer gleich bleiben oder eher noch sinken, da seine Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand alleine von seinem erarbeiteten Einkommen abhängt, dessen Steigerungen bestenfalls die letzten Krümelchen sind, welche die Unternehmen den Arbeitnehmern übrig lassen, nachdem sich Vorstände und Aktionäre mit durch die Leistungen der Arbeitnehmer generierten Gewinnen und Renditen schon eine dekadente Tortenschlacht geliefert haben.
Zeit dafür zu kämpfen, dass auch die Arbeitnehmer Kuchen bekommen!Â

