Wenn man Gelb lange genug abtönt, wird es Braun
Ich schreibe schon länger von den Braun-Gelben, wenn ich von der FDP berichte, den sogenannten Liberalen, JuLis usw., welche vorrangig dümmliche Marktradikale und Neoliberale sind. Nun gaben sich zwei FDP-Politiker de Ehre, mich weiter darin zu bestätigen, dass nicht nur der von der FDP vertretene Marktradikalismus und Sozialdarwinismus den Gelben einen bräunlichen Touch verleiht, sondern es noch mehr Schnittpunkte zwischen den Gelben und den Braunen gibt.
Klaus-Dieter Hübner (FDP), Bürgermeister von Guben
Klaus-Dieter Hübner ist FDP-Mitglied und Bürgermeister des Örtchens Guben in Südbrandenburg. Kürzlich glänzte er dadurch, dass er für sozial Schwache erneut den Lagergedanken einführen will, welcher aus einer weniger schönen Epoche der deutschen Geschichte bereits bekannt ist. Motto: “Lager sind billiger als Wohnungen und Wohnghettos.”
Jedenfalls plant Klaus-Dieter Hübner, 30 sozial bedürftige Familien mit Mietschulden aus einem unsanierten Plattenbau in ein heruntergekommenes ehemaliges Asylantenheim mit nur einer Küche, einem Bad und Gemeinschaftstoiletten am Stadtrand umzusiedeln. Dritte beschreiben das Gebäude als eine “marode Baracke”. Aber so kennen wir ja die “lieben Liberalen”, denen ist für sozial schwache und arme Menschen nichts zu teuer. Dauernd kreisen ihre Gedanken darum, wie man die Armen noch ärmer und die Reichen noch reicher machen kann. Ziel ist es jedenfalls, den Plattenbau freizuziehen, also alle Wohneinheiten von Mietern zu befreien. Anschließend soll der Plattenbau saniert werden, damit die neuen Mieter höhere Mieten zahlen dürfen. Besonders pikant: Klaus-Dieter Hübner (FDP) ist nicht nur der Bürgermeister von Guben, sondern auch Aufsichtsratchef der Gubener Wohnungsgesellschaft (GuWO), welcher der Plattenbau gehört. Ein Schelm, wer denkt, dass da in Guben Verwaltungsbefugnisse als Bürgermeister dazu genutzt werden sollen, die Gewinne der Gubener Wohnungsgesellschaft (GuWO) zeitnah zu optimieren und somit möglicherweise Interessenverflechtungen zwischen dem Amt des Bürgermeisters und dem Posten als Aufsichtsratschef der GuWO vorliegen könnten?
Gotthard Deuse (FDP), Bürgermeister von Mügeln
Normalerweise sollte man sich als Bürgermeister ja etwas schämen, wenn in der eigenen Gemeinde eine gewalttätige Hatz auf Inder stattfindet. Im sächsischen Örtchen Mügeln wurden bei einer Hatz des braunen Mobs jedenfalls Inder mit rassistischen Parolen durch den Ort getrieben und acht von ihnen verprügelt. Anstatt sich angesichts dieses Vorfalls zumindest halbwegs betroffen und beschämt zu zeigen, versuchte Gotthard Deuse den Vorfall so gut wie möglich zu bagatellisieren, z.B. als banale Bierzelt-Schlägerei. Auf dem Höhepunkt dieser Bagatellisierung gab Deuse dann gleich noch der rechtsgerichteten Gazette Junge Freiheit ein Interview. Dort übte er sich in weiteren Beschwichtigungen, sprach von einer Vorverurteilung durch die Medien und setzte gleich noch einen drauf, indem er sagte:
“Ich bin stolz ein Deutscher zu sein.”
So kann man sicher jeden Zweifel ausräumen, rechtsextremistische und rassistische Positionen zu verteidigen. Die Junge Freiheit konnte sich jedenfalls über einen so blöden ungeschickten FDP-Bürgermeister nur freuen. Hatte sie zuvor keinen einzigen Abonennten in Mügeln, so sollen inzwischen rund 50 Probeabos bestellt worden sein. Für einen Ort, in dem die NPD zehn Prozent der Wählerstimmen holen konnte, zwar eine relativ geringe Ausbeute, aber da ist sicher noch Potential hinter. Ob Gotthard Deuse (FDP) dafür wenigstens eine Provision von der Jungen Freiheit bekommt?
Derweil erhält Deuse Beistand von Günther Beckstein (CSU). Der will nämlich gerade das rechte Profil der CSU stärken, weil er die Mitte langweilig findet:
Rechtspopulismus und Suff – das Erfolgsmodell der CSU ist offenbar auch für Mügeln tauglich. Wenn da die Sache mit den Indern nicht wäre. Vielleicht sollten die besser aus Mügeln weggehen. Aber nicht nach Nordrhein-Westfalen, denn da läuft Becksteins Kollege Jürgen Rüttgers (CDU) herum und palavert “Kinder statt Inder”. Eventuell wäre Bayern eine gute Option. Da gibt es Dank der CSU zwar nicht weniger Rechtspopulisten als in Sachsen, aber die liegen zumindest schon kampfunfähig unter dem Tisch, bevor sie eine Hatz auf Inder veranstalten können.
Ob es demnächst eine schwarz-braun-gelbe Koalition in Sachsen geben wird? Liberal im eigentlichen Sinne wäre daran wohl nichts mehr. Aber wen interessiert das noch in Zeiten des Neosprechs mit pervertierten Begriffen wie der “neuen sozialen Marktwirtschaft“ oder einer “jungen Freiheit”? Erzreaktionäre Katholen, Rechtsextreme und neoliberale Wirtschaftsfaschisten in einem Boot – ich kriege gerade das eiskalte Kotzen angesichts einer solchen ideologischen Liason, die wahrscheinlich das Schlechteste aus allen drei Lagern in sich vereinen würde.


