Zitat des Tages

Es ist schon toll, zu welchen moralphilosophischen Thesen sich die „Wirtschaftsforschung“ emporschwingt: Der Wohlfahrtsstaat setzt also die gesellschaftliche Moral aufs Spiel. In einer Gesellschaft, die politisch und moralisch auf das Modell des homo oeconomicus ausgerichtet wird, die keine Werte mehr anerkennt als den Markt und die Verfolgung des persönlichen Vorteils als Prinzip zur Erreichung des größtmöglichen allgemeinen Nutzens, in dieser Gesellschaft zersetzt also soziales und solidarisches Denken die Moral.
Es war eben schon immer so: Moral gilt nur für die kleinen Leute oder „Quod licet Jovi, non licet bovi“ (Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt.) In einer Gesellschaft, wo das sog. Spitzenpersonal den Hals nicht voll kriegen kann, wo Korruption zum allgemeinen Geschäftsgebaren geworden ist, wo politische Käuflichkeit zum Alltag gehört, wo durch Steuerhinterziehung mehr Geld kassiert wird, als die meisten Transferleistungen kosten, wo der „Raubtierkapitalismus“ als effizienzfördernd gilt, wo in „Eigenverantwortlichkeit“ jeder nur seinen persönlichen Vorteil sucht, da soll also der solidarische Wohlfahrtsstaat die Moral der kleinen Leute zerstören. An diesem Beitrag in der FAZ (dazu noch von einer Frau geschrieben), einer Zeitung, die sich ja an die Intelligenzler wendet, kann man sehen, wie den Privilegierten kein Argument zu dumm ist, um ihre Privilegien und ihren aus der Ausbeutung der Moral der kleinen Leute erworbenen Reichtum zu verteidigen.

NachDenkSeiten

Ein Kommentar zu “Zitat des Tages”

  1. Perspektive2010.org: Zitat des Tages

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