Zitat des Tages
Der frühere Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement warb in der Welt am Sonntag (v. 14.5.2006) für ein “neues Godesberg” der SPD und empfahl seiner Partei den “Abschied vom Wohlfahrtsstaat” sowie die “Hinwendung zum sozialen Bildungsstaat”. Hierunter versteht Clement, dass für alle Bürger prinzipiell gleiche Chancen zur beruflichen Qualifikation, zu einer hoch qualifizierten Aus- und Weiterbildung geschaffen werden, damit sie aus eigener Kraft und Kompetenz auf die sich ständig verändernden Anforderungen der Arbeitswelt reagieren können. “Schulische Bildung und berufliche Qualifikation, Wissenschaft und Forschung sind die Motoren des ökonomischen und sozialen Fortschritts. Sie führen in die Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Da müssen wir investieren, statt immer mehr in ein soziales Netz, das um so fadenscheiniger wird, je mehr wir ‘draufsatteln’.”
Kritik des Neoliberalismus (Christoph Butterwegge, Bettina Lösch, Ralf Ptak)
Kommentar:
Wolfgang Clement hat lediglich Rechtswissenschaften studiert und ansonsten keinerlei erwähnenswerte berufliche Qualifikation erworben, die ihn zu “Wissenschaft und Forschung” befähigten. Dennoch hat er nach seiner Tätigkeit als Minister folgende Tätigkeiten übernommen:
Seit seinem Ausscheiden nahm er zahlreiche Posten in der freien Wirtschaft an, hauptsächlich in der Energiewirtschaft.
Im Februar 2006 wurde er in den 21-köpfigen Aufsichtsrat der RWE-Kraftwerkstochter RWE Power AG (Essen) gewählt und vertritt dort die Seite der Anteilseigner. Zudem wurde Clement im Januar 2006 Aufsichtsratsmitglied der Landau Media AG und im Dezember 2005 Mitglied im Aufsichtsrat der Dussmann-Gruppe. Seit März 2006 hat er den Vorsitz des neu gegründeten Beirats des Wissens- und Informationsdienstleisters Wolters Kluwer Deutschland GmbH (Neuwied).
Im Mai 2006 trat Clement dem Konvent für Deutschland bei. Seit Juni 2006 sitzt er, früher selbst lange journalistisch tätig, im Aufsichtsrat des viertgrößten deutschen Zeitungsverlags DuMont Schauberg.
Darüberhinaus sitzt er im Aufsichtsrat (Personalausschuss) des fünftgrössten deutschen Zeitarbeitsunternehmens Deutscher Industrie Service AG (DIS AG), nachdem er als Bundesminister noch den gesetzlichen Rahmen für Leiharbeit liberalisiert hatte (Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt).
Die DIS AG wurde mehrheitlich (83 %) vom Schweizer Konkurrenten Adecco erworben, und Clement übernahm den Vorsitz des neuen Adecco Institute zur Erforschung der Arbeit, das vollständig vom Adecco-Konzern finanziert wird und Teil des Unternehmens sein wird. Mittels Primär- und Sekundärforschung sowie durch Konferenzen und Diskussionsforen soll auf die Öffentlichkeit eingewirkt werden.
Seit Oktober 2007 ist Wolfgang Clement Gastprofessor für Politikmanagement an der NRW School of Governance der Universität Duisburg-Essen.
Offenbar wird in der Politik nicht der Wandel zur Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts vollzogen. Seit Gerhard Schröder (SPD) und Rot-Grün grassiert in der Politik vor allem die nachgelagerte bzw. indirekte Korruption, welche die Demokratie zerstört und politisch Extremen den Boden bereitet.

