Zitat des Tages
‘Deutsch sein’ heißt unter den Bedingungen des modernen Wohlfahrtsstaates, den eigenen Wohlstand zu verteidigen und Ansprüche anderer Gruppen zu delegitimieren und abzuwehren.Je mehr die Konkurrenz in den Mittelpunkt zwischenstaatlicher und menschlicher Beziehungen rückt, umso leichter läßt sich die ethnische bzw. Kulturdifferenz politisch aufladen. Gegenwärtig greift verstärkt ein Trend zum “hedonistisch-konsumistischen Sozialdarwinismus” um sich: “Nach dem globalen Sieg der Marktwirtschaft hat jenes Prinzip, demzufolge der Stärkere sich durchsetzt und das Schwache auf der Strecke bleibt, noch an Plausibilität gewonnen. Der aktuelle Rechtsextremismus und Rechtspopulismus beruhen auf einer Brutalisierung, Ethnisierung und Ästhetisierung alltäglicher Konkurrenzprinzipien.” Sozialdarwinismus fällt nicht vom Himmel, wurzelt vielmehr in der Erfahrungswelt einer Jugend, die durch das neoliberale Leistungsdenken, die Allgegenwart des Marktmechanismus und den Konkurrenzkampf jeder gegen jeden geprägt wird. Rivalität fungiert als Haupttriebkraft einer zerklüfteten, zunehmend in Reich und Arm gespaltenen Gesellschaft. “Die sozialdarwinistische Alltagsphilosophie, die damit einhergeht, erzeugt eine unauffällige, sich von direkter Gewalt fernhaltende und als ‘Sachzwang’ der Ökonomie erscheinende Brutalität.”
Wo die Umverteilung von unten nach oben mittels der neoliberalen Ideologie unter Hinweis auf Globalisierungsprozesse – als zur “Sicherung des eigenen Wirtschaftsstandortes” erforderlich – legitimiert wird, entsteht ein gesellschaftliches Klima, das (ethnische) Ab- und Ausgrenzungsbemühungen stützt. Standortnationalismus, (Kultur-) Rassismus und Gewalt sind keine bloß hinterwäldlerisch anmutende Reaktionsweisen direkt betroffener oder benachteiligter Gruppen auf Globalisierungs-, neoliberale Modernisierungs und soziale Marginalisierungsprozesse. Vielmehr verursachen diese auch in der gesellschaftlichen Mitte bzw. genauer: auf den “höheren Etagen” bedrohliche Erosionstendenzen. “Gefahren der Entwicklung – auch solche der sozialen Desintegration und rechtsextremer Potentiale – gehen nicht von der ‘Masse’ der Bevölkerung aus. In der politischen Qualifikation der alten und neuen Eliten liegt das Problem.
Wenn der Marktradikalismus von (bildungs)bürgerlichem Sendungsbewusstsein, einem Rückzug auf religiöse Werte, einem Aufwallen patriotischer Gefühlsregungen und einer übermäßigen Betonung der sog. Sekundärtugenden verbunden ist und sich mit biedermeierlichen Moralverstellungen paart, schlägt der Neoliberalismus in Neokonservatismus um, für den Autorennamen wie Udo die Fabio, Paul Kirchhof, Frank Schirrmacher und Botho Strauß stehen. Ludwig Elm sieht denn auch im Neoliberalismus “nach Ursprung und sozialem Auftrag eine der Rechten zugehörige, sie ergänzende und stützende Erscheinung”, ohne ihm eine autonome Stellung in der Ideengeschichte des Bürgertums oder eine spezifische Funktion im bestehenden Herrschaftssystem zuzugestehen. Neoliberalismus und -konservatismus gehen zwar Hand in Hand, wenn die ökonomische, politische und geistig-moralische Vorherrschaft des Kapitals bedroht ist, sind jedoch eigenständige Gedankengebäude.
Kritik des Neoliberalismus (Christoph Butterwegge, Bettina Lösch, Ralf Ptak)
Kommentar:
Es macht also keinen Sinn, wie Hessens brutalstmöglicher Lügner Roland Koch (CDU), ausländische Jugendliche für Kriminalität und Gewalt zum Sündenbock zu machen. Die Wurzeln für die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung haben Leute wie er, Angela Merkel (CDU) und aus der Vorgängerregierung Gerhard Schröder (SPD), Franz Müntefering (SPD) und Wolfgang Clement (SPD) in voller Absicht selbst geschaffen. Und nun wird man die Geister, die man rief, nicht mehr los. Jedoch sind unsere politischen Eliten intellektuell und ideologisch weit davon entfernt, solche Kausalitäten begreifen zu können.


am 28. März 2008 um 17:12:38 Uhr.
[...] Sozialdarwinismus gepaart mit hedonistischen Merkmalen der Verhaltenstrend führt genau in die entgegengesetzte Richtung. Nicht die soziale Verpflichtung steht im Vordergrund, sondern einseitige Verfolgung eigener Interessen. Wirtschaftlich Reiche verstehen sich vor allem als Einflussreiche.Wenn sich solche Dinge verfestigen, dann bekommen die, die immer in der Sonne stehen, sicherlich auch zunehmend mehr Macht. [...]