Dieter Hundt (BDA) und die Schizophrenie der Konjunkturprognosen

Mit der Konjunktur ist das in der deutschen Wirtschaft ja so eine Sache. Geht es um Jahresabschlüsse, Aktienmärkte und Rendite-Erwartungen, so darf gejubelt werden, denn die Reichen müssen mal wieder reicher werden – mit atemberaubender Geschwindigkeit. Geht es hingegen um anstehende Tarifverhandlungen und die Teilhabe der Arbeitnehmer an Produktivitätszuwachs und Gewinnen, steht Deutschland angeblich nahe am Abgrund.

Zuletzt hatten die Betrügereien in der amerikanischen Finanzbranche auch die deutschen Aktienmärkte in Mitleidenschaft gezogen und der ifo-Geschäftsklimaindex des Herrn Prof. Hans-Werner Sinn, von vielen Kritikern inzwischen nur noch “liebevoll” Prof. Unsinn genannt, zickt sowieso mehr herum als eine Kampfemanze wie Alice Schwarzer beim Besuch des roten Indianers.

Das wiederum passt zu dem verlogenen Arbeitgeber-Lobbyisten Dieter Hundt, seines Zeichens Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), der keine Skrupel dabei kennt, die deutschen Arbeitnehmer immer und immer wieder zu belügen und um ihr Stück vom Kuchen zu betrügen. Der meint nämlich, Deutschland stünde gerade an einem “Scheideweg“:

“Deutschland steht am Scheideweg”, warnte Hundt. Entweder werde die verantwortungsvolle Tarif-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik fortgesetzt, oder es werde ein Irrweg eingeschlagen “mit unverhältnismäßig hohen Tarifabschlüssen und vermeintlichen sozialen Wohltaten”.

Was ist denn an der aktuellen Tarif-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik verantwortungsvoll? Dass Dieter Hundt und seine Gesinnungsgenossen sich so den Hals vollschlagen, dass sie es vom Doppel- zum Dreifachkinn schaffen? Dass die Arbeitnehmer von Zeitarbeitsfirmen um ihren Lohn betrogen werden? Dass die Arbeitgeber Hartz IV gnadenlos missbrauchen, um die Arbeitnehmer mit Hungerlöhnen abzuspeisen, die dann mit ALG2 und Wohngeld aufgestockt werden müssen? Das, lieber Dieter Hundt, ist nicht verantwortungsvoll, sondern gegenüber der Masse der Menschen in Deutschland im höchsten Maße verantwortungslos, weil es den sozialen Frieden in der Gesellschaft massiv gefährdet. Und zwar so weit gefährdet, dass Leute wie Dieter Hundt möglicherweise irgendwann aufpassen müßten, ob man seiner widerlichen Herumlügerei nicht auf dem Weg ein Ende bereitet, dass man den Kopf samt Gierschlund und der braunen Masse zwischen den Ohren vom Rest des verfetteten Leibes trennt.

Hundt kritisierte, dass auch Mitglieder der Bundesregierung einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle gefordert hätten. Die Regierung dürfe “nicht linken Populisten und Sprücheklopfern” hinterherlaufen, sondern müsse den Weg der Reformen entschlossen weitergehen.

Sollen die Mitglieder der Bundesregierung lieber weiter all den dreckigen Mietmäulern neoliberaler Think Tanks wie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)  oder dem wirtschaftsfaschistischen Konvent für Deutschland hinterherlaufen? Was dieses Pack aus unserem Land und den Menschen hier gemacht hat, sehen wir ja inzwischen Tag für Tag. Der einzige Weg, den wir, die Bürger Deutschlands, entschlossen gehen müssen, das ist der Weg mitten durch die Gesichter von Leuten wie Dieter Hundt :twisted:

Die Bundesregierung forderte Hundt auf, die Beiträge zu den Sozialversicherungen weiter zu senken und “im Rahmen des Verkraftbaren” das Steuerrecht zu reformieren.

Soll heißen: Nehmt den Armen, die Reichen kriegen den Hals immer noch nicht voll! Hundt fordert mal wieder noch mehr Geschenke für eine Klientel, die diese vor lauter Überfluss eh nicht zu schätzen weiß und lediglich aus krankhaft egoistischer Gier immer mehr fordert.

Wenn sich die Wirtschaft positiv entwickele und die Voraussetzungen für die Haushaltskonsolidierung geschaffen seien, müssten die Steuern weiter gesenkt werden. Die Regierungspläne für Mindestlöhne verwarf er kategorisch: “Wir lehnen jede Form von Mindestlöhnen ab, weil sie im Endeffekt Arbeitsplätze kosten werden.” 

Der Mindestlohn kostet nur dann Arbeitsplätze, wenn Leute wie Dieter Hundt dann vor lauter Gier in Deutschland die Arbeitnehmer entlassen, um die Menschen in Osteuropa oder China noch mehr auszubeuten, so dass man den eigenen gierigen Schlund noch voller stopfen kann. Der Fall Nokia ist nur eines von vielen Beispielen, wie neoliberale Verbrecher erst nach Subventionen lechzen, die Menschen verheizen und sie dann undankbar in den Allerwertesten treten, um ein anderes Land auszusaugen.

Ich weiß nicht, ob Arschlöchern Personen wie Dieter Hundt das Schicksal des Amtsvorgängers und SS-Offiziers Hanns-Martin Schleyer bekannt ist. Sollte es aber so sein, dass dieses Pack immer wieder solche Opfer braucht, damit sie nicht vor lauter Gier dem Wahnsinn verfallen und jegliches Maß verlieren, dann werden sie diese auch bekommen. Das ist nur noch eine Frage der Zeit.

Wollen Sie das, Herr Hundt?

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