Das unsoziale Elend von Christian Reiermann (SPIEGEL)

Christian Reiermann aus der SPIEGEL-Redaktion kommt mir immer vor wie ein U-Boot der Arbeitgeberverbände und Kapitaleigner. Er verzapft so viel hanebüchenen, neoliberalen Schwachsinn, dass es schon fast weh tut. Man kann aber auch einfach nur kotzen (auch rei(h)ern genannt), wenn Christian Reiermann sich mal wieder seine Textvorlage bei den Arbeitgebern oder der Finanzwirtschaft abgeholt hat und meint, diese als Artikel beim SPIEGEL veröffentlichen zu müssen.

Hier einige Kostproben:

  • Hedgefonds – die verkannten Segenbringer
    Tenor: Die staatlichen Banken sind die wahren Schuldigen und Bösen in der Finanzkrise, Hedgefonds seien toll, seriös und erfolgreich und zumindest der Erfolg der – häufig masslos und komplett asozial handelnden – Hedgefonds müsse ihnen doch Recht geben:Kanzlerin Merkel sollte ihre Pläne, das Geschäftsgebaren von Hedgefonds und Staatsfonds zu zügeln, deshalb solange zurückstellen, bis die Krise vorbei ist. Vielleicht müssen die Fonds bald schon einer deutschen Bank zu Hilfe eilen. Es wäre doch ein Jammer, wenn sie das nicht mehr dürften.

Eine politische Forderung von einem Journalisten? Was die Hedgefonds wirklich wollen, ist nämlich klar: an der Krise dick verdienen und sich zum Dumpingtarif Filetstücke der globalen Wirtschaft unter den Nagel reissen. Welchen Lohn Christian Reiermann wohl für seine Hedgefonds-PR unter dem Deckimantel des Journalismus aufs Konto bekam?

  • Das Elend der Wirtschaftspolitiker
    Tenor: Eine Lobeshymne auf schmierige Lobbyisten, INSM-, Arbeitgeber- und Lobbyisten-Mietmäuler wie Oswald Metzger (Ex-Grüner), Wolfang Clement (SPD) und Friedrich Merz (CDU), die er als wirtschaftspolitisch besonders fachkompetent betrachtet und als Ofer der bösen Kritiker hinstellt:Der Vorwurf der Lobbyarbeit, der jetzt gegen Clement laut wird, dient zu nichts anderem, als Fach- und Sachkompetenz zu denunzieren. Er signalisiert damit den Bedeutungsverlust, den die wirtschaftspolitische Debatte und ihre Vertreter in der SPD, aber auch in anderen Parteien, erlitten haben.

Wie süß! Reiermann kuschelt öffentlich mit Korruptis und Lobbyisten wie Metzger, Clement und Merz und bringt sie so mit positivem Touch ins Gespräch. Er bedauert, dass nun wieder gilt, was die Parteien beschliessen und nicht mehr das, was die Wirtschaft ihren Mietmäulern einflüstert. Schauen Sie mal in der Wikipedia unter “Demokratie” nach, werter Herr Reiermann! Dann begreifen Sie vielleicht auch noch, warum es falsch ist, die Politik einer Nation alleine an den Interessen von Wirtschafts- und anderen Partikularinteressen auszurichten.

  • Anti-Neoliberalismus – Unsozial sind immer die anderen
    Tenor: Der Text wirkt wie eine von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) gestellte Vorlage, denn er enthält genauso viel verlogene und entstellte Propaganda. Selbst wenn man Ludwig Erhard als “Neoliberalen” bezeichnen mag, so wird dieser Begriff heute aber anders verwendet. Denn diejenigen, die sich heute verharmlosend als mit dem Attribut “neoliberal” schmücken, sind häufig nichts anderes als widerliche Wirtschaftsfaschisten – eine Bezeichnung, die ich bei dem Gesindel rund um die INSM, Bertelsmann, die FDP und anderen Organisationen aus diesem Dunstkreis für passender halte. Hier ein Schmankerl aus dem Artikel:Als neoliberal gelten hierzulande generell Leute, die sich mit dem Rüstzeug der Ökonomie den Problemen der Wirklichkeit stellen und dabei auch noch Sympathie für das Wirken von Märkten erkennen lassen oder die Globalisierung für eine gute Sache halten. Das tut man nicht, das zeugt von Kälte, geistiger, emotionaler, moralischer sowieso. Manchmal reicht – um unter Neoliberalismus-Verdacht zu geraten – auch schon die Vermutung, dass zwei plus zwei vier ergeben könnte.

Das ist faktisch komplett falsch. Denn als neoliberal gelten heute Leute, die meinen, dass man auf das grundgesetzlich fixierte Sozialstaatsprinzip scheissen könne, dass die “Sozialschmarotzer” im Zweifelsfall auch kostenlos arbeiten sollten, damit sie nicht den ganzen Tag saufen und für sozial halten, was Arbeit schafft. Dabei sollen die Arbeitnehmer in Deutschland am besten mit den Lohn- und Sozialstandards von China konkurrieren.

Häufig sind die Sprachrohre solcher Thesen aber genau jene Leute, die noch nie in ihrem Leben von Existenzdruck oder Wettbewerb betroffen waren. So kann sich beispielsweise Guido Westerwelle (FDP) als Anwalt, dessen Gebührenhöhe gesetzlich geregelt und somit vor Dumping geschützt ist, locker mal eben gegen den Mindestlohn aufplustern. Die meisten Neoliberalen bekamen von ihren Eltern Studium und vielleicht auch noch die Promotion auf Luxusniveau finanziert und konnten durch das Kontaktnetzwerk ihrer Familie mit Leichtigkeit auf einen bestens bezahlten Posten in einem Unternehmen, einer Partei oder als staatlicher Bediensteter rutschen. Von Wettbewerb, Lohndumping und anderen Unwägbarkeiten des durchschnittlichen Arbeitnehmers bleiben sie so verschont und vom hohen Ross herunter kann man natürlich bestens Wasser predigen, während man sich selbst mit Wein volllaufen läßt.

Christian Reiermann arbeitete bereits von 1998 bis 1. Oktober 2004 für den SPIEGEL und wechselte dann für gut ein Jahr als Politikchef zur Welt am Sonntag (WamS). Dort kam es aber zu Konflikten, offenbar hervorgerufen durch Christian Reiermann:

Dem Vernehmen nach soll es zuvor Differenzen zwischen Reiermann und «WamS»-Chefredakteur Christoph Keese über die Ausrichtung des Blattes gegeben haben.

Tja, dass der Springer-Verlag eher militaristische als demokratische Strukturen hat, dürfte bekannt sein. Ebenso, dass die Redakteure dort per Arbeitsvertrag gezwungen werden, sich in ihren Artikeln über die USA und Israel vorrangig positiv und unkritisch zu äußern. Hier ein Auszug aus einem Arbeitsvertrag von Bild der Frau:

§ 2 Grundsätzliche Haltung der Zeitung
- das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas;
- das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen: hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes
- die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus:
- die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft.

Das wirkt schon fast wie das Agenda-Setting einer PR-Agentur, was sich auch in vielen schmierig-verlogenen Pamphleten und Hetzkampagnen der Springerpresse wiederfindet. Ich will gar nicht wissen, wie dieser Passus in den Arbeitsverträgen der Redakteure der BILD oder der WELT aussehen, aber sicher sind diese noch um einiges verschärfter.

Seit Anfang 2006 treibt Christian Reiermann nun also wieder sein Unwesen beim SPIEGEL und veröffentlicht dort seine ekelhaften, ideologisch verblendeten Ergüsse, die auch schon von anderer Seite kritisiert wurden. Bezeichnend für Reiermanns pseudo-journalistisches Geschmiere ist, dass er im Forum zum Artikel erstens fast sofort mit Fakten widerlegt wird und zweitens so viel Widerspruch erntet, dass man den SPIEGEL nur bedauern kann, für solchen Mist in Textform überhaupt Platz verschwendet und seinen Namen hergegeben zu haben.

Bei aller Kritik will ich Christian Reiermann aber auch noch einen Spruch zum Nachdenken mit auf den Weg geben, damit es mit seiner journalistischen Karriere vielleicht doch noch klappt:

Niemand ist so blind wie der, der nicht sehen will!

Dem SPIEGEL empfehle ich, Christian Reiermann zum nächstmöglichen Termin vor die Tür zu setzen. Vielleicht zeugen Reiermanns Berichte aus der Arbeitslosigkeit mit Hartz IV dann von mehr Realitätssinn als seine asozialen Artikel beim SPIEGEL.

PS: Ganz unter uns gesprochen, lieber Herr Reiermann, halte ich persönlich Sie für ein ignorantes, neoliberales Arschloch!

PPS: Kein Wunder, dass die wirtschaftsfaschistischen Dreckschweine von der INSM Christian Reiermanns verlogenes Geschreibsel sofort in ihrem Ludwig Erhard-Blog verlinkt haben :evil:

2 Kommentare zu “Das unsoziale Elend von Christian Reiermann (SPIEGEL)”

  1. »SPD ist derzeit nicht koalitionsfähig« - Wie wahr! - Seite 3 - stern.de-Forum

    [...] für seine Hedgefonds-PR unter dem Deckimantel des Journalismus aufs Konto bekam? … … … Perspektive 2010 » Blog Archive » Das unsoziale Elend von Christian Reiermann (SPIEGEL) Das Gereier eines Reiermann – kotz, brech, würg! Feyd-Rautha __________________ Adolf [...]

  2. Markus’ Welt » Oskar

    [...] vor mir bemerkt, dass Reiermann der neoliberalen Fraktion angehört, wie die Nachdenkseiten oder die Perspektive 2010. Für einen Wirtschaftsredakteur auch nicht verwunderlich. [...]


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