Was Neoliberale meinen, wenn sie von “Bürgern” sprechen

Jeder normale Mensch versteht unter einem Bürger einen jeden Bewohner unseres Landes, unabhängig von seiner sozialen oder ethnischen Herkunft. Der ADAC fordert auch gerne “Freie Fahrt für freie Bürger”. Insbesondere die Neoliberalen und ihre menschenfeindlichen Organisationen wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sprechen gerne von den “Interessen der Bürger”, welche sie zu vertreten vorgeben. Dabei meinen sie aber nicht alle Menschen unseres Landes, sondern nur diejenigen, die schon im Altertum und Mittelalter als “Bürger” bezeichnet wurden:

Altes Griechenland
Bürger (im vollen Sinne des Wortes) war derjenige, der an den zahlreichen Gerichtshöfen als Richter fungieren und an den mindestens viermal pro Monat stattfindenden Volksversammlungen, in denen über alle wichtigen Fragen der Polis entschieden wurde, teilnehmen konnte.

Altes Rom
Der Civis, der Alteingesessene, durfte im Gegensatz zum Zugezogenen (Peregrinus), Gast (Hostis) und zum Bundesgenossen (Socius) an der gesetzgebenden Volksversammlung und an der Wahl teilnehmen, wobei die einzelne Stimme abhängig von Vermögen und Wahlbezirk (Tribus) unterschiedliches Gewicht hatte, oder auch selbst Ämter übernehmen, wenn er genügend Geld dafür hatte.

Mittelalter
Bürger waren zunächst im Mittelalter im Sinne der Ständeordnung Bewohner einer befestigten (geborgenen) Stadt mit eigenem Stadtrecht und unterschieden sich vom “Einwohner” durch eigene Bürgerrechte, d.h. Privilegien und Besitz.

Fällt Ihnen etwas auf? Immer ging es in der Geschichte um die besitzenden und privilegierten Teile der Gesellschaft, welche als “Bürger” bezeichnet wurden. Und genauso ist es auch heute wieder, wenn Neoliberale über (freie) Bürger, Bürgerrechte und dergleichen schwadronieren. Sie meinen damit immer nur die Besitzenden und Privilegierten unserer Gesellschaft und genau denen wollen sie auf Kosten aller anderen noch mehr Besitz und Privilegien zuschanzen. Es geht um die Bourgeoisie in Abgrenzung zum normalen Arbeitnehmer (”Proletariat”) und zum heute gerne als Schmarotzer dargestellten Hilfsbedürftigen (”Prekariat”):

Ein typischer Bourgeois ist demnach Angehöriger der Oberschicht, der eine konservative und materialistische Gesinnung aufweist.

Genau solchen “Menschen” dienen die Neoliberalen, ihre Lobbyorganisationen, Think Tanks und sonstigen Verbindungen – und damit in erster Linie auch sich selbst.

Ein heutiger Bourgeois besitzt häufig eine schizophrene Persönlichkeit, denn einerseits klammert er sich als (wert-) konservativ gerne an die christliche Glaubenslehre, welche aber andererseits mit seiner materialistischen Einstellung kollidiert, welche z.B. dazu führt, dass er als Händler seine Kunden mit Wucherpreisen betrügt oder seine Angestellten mit Hungerlöhnen ausbeutet. Das sind auch solche Leute, die jeden Sonntag in der Kirche in der ersten Reihe sitzen, aber von Montag bis Samstag beispielsweise als provisionsgeiler, falsch beratender Finanzberater andere Menschen ins Unglück stürzen. Menschen sind für einen Bourgeois nur seinesgleichen und alle anderen für ihn dem Tier näher als dem Menschen. Und was macht ein Bourgeois mit Tieren? Exakt, er tötet sie und frisst sie auf ohne die kleinste Gewissensregung oder moralische Bedenken! Nur deshalb können Neoliberale so unverfroren gegen Arbeitnehmer und Erwerbslose hetzen. Hätten sie einen Funken Empathie, würden sie sich ihrer Worte wegen nämlich gehörig schämen müssen.

Denken Sie an dieses kleine Detail, wenn Ihnen Neoliberale und Medien mal wieder etwas von (freien) Bürgern erzählen wollen! Sie können sich sicher sein, dass ausschließlich um die Belange der Besitzenden und Besserverdiener geht.

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