Zitat des Tages

Vor allem in der Verliebtheit geraten unsere Emotionsgedanken außer Rand und Band. Ich erwarte von meinem Partner, dass er mein idealisiertes Selbstbild füllen solle. Und wenn er das nicht mehr tut (was früher oder später geschehen wird), sage ich: »Die Begeisterung ist vorbei, was ist denn mit ihm los? Er tut lauter Dinge, die ich nicht ertrage.« Und ich frage mich, warum ich mich so elend fühle. Mein Partner paßt mir nicht mehr, er reflektiert mir mein Traumbild von mir selbst nicht mehr, er verschafft mir nicht mehr Annehmlichkeiten und Vergnügen. Aber keine dieser emotionalen Forderungen hat etwas mit Liebe zu tun. Wenn die Bilder zerbrechen – und das werden sie bei einer engen Beziehung immer – wird aus solcher »Liebe« Feindseligkeit, sie artet in Streitereien aus.

Wenn wir also in einer engen Beziehung leben, werden wir ab und zu leiden, da keine Beziehung uns je vollständig »auf den Leib geschneidert« sein wird. Niemand, mit dem wir leben, wird uns je alles recht machen, so wie wir es gerne wollen.

Zen im Alltag, Charlotte Joko Beck

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